Band 
Fünfter Band.
JPEG-Download
 

126

fehligte 80/000 Soldaten, die alle der erobernden Nation ange-hörten/ und besaß überdieß noch eine zahlreiche Flotte, welchedas Mittctmeer mit ihren Schiffen bedeckte.

Allein mit Genserich endete die Blüthe dcS Vandalenreichs(477). Neue Nationen/ welche sich an den Küsten des Mittel-meeres niedergelassen hatten, wiesen tapfer der Wandalen See-räubereien zurück, so daß diese kräftigen Widerstand fanden, wosie reiche Beute zu machen hofften. Andrerseits hatte sie ihreabgetrennte Lage von andern Barbarenstämmen, das heiße Klimaund die Künste des Friedens so sehr verweichlicht, daß sie keinerder knltivirtesten Nationen an Feinheit der Tafel, kostbaren sei-denen Gewändern, ihren Gärten, Schauspielen, Tänzen, überhauptin aller weibischen Genußsucht nachstanden.

Hmmerich.

Hunnerich, der von seinem Vater nichts hatte als seineLaster, verfuhr anfangs mit Schonung gegen die Katholiken, hieltsich in gutem Einverständniß mit Constantinopel und trat Sizilienum einen jährlichen Zins an Odoaker ab. Aber plötzlich be-gannen die Maurischen Stämme Numidiens, welches Land dieWandalen besetzt hatten, seine Provinzen zu verwüsten, ohne daßes ihm gelang, ihnen Einhalt zu thun. Da warf seine Grausam-keit die MaSke ab; er schloß die Katholiken von allen StellenauS, verbannte dreitausend, worunrer Priester und 46 Bischöfe,des Verbrechens, das Volk bekehren zu wollen, beschuldigt, nachCorsika, woselbst sie Hol; für seine Flotte fällen mußten; hieraufkam ihm die Laune, die katholischen und arianischen Bischöfe zu-sammen zu rufen, eine Synode, die den Haß nur noch mehr regemachte, denn Hunnerich befahl, daß die Kirchen der Homousianer(Katholiken) mit ihren Gütern den wahren Verehrern der Natur,wie er die Arianer nannte, übergeben werden sollten. Die Ka-tholiken wurden also vertrieben und wer von ihnen die h. Sakra-mente empfing, verfiel in eine Strafe von zehn Goldpfenningen;für die Geistlichen, Senatoren, Illustren und sonstige Vornehmeerhöhte sich die Strafe bedeutend. Die Bischöfe wurden von ei-nem Gefängniß in daS andere bis in die Wüste hingeschleppt undhatten keinen andern Trost als die Seufzer des Volkes; die gc-weihten Jungfrauen sahen sich einer schamlosen Inquisition undschrecklichen Torturen ausgesetzt, um von ihnen ein Geftändnißzu erpressen, daß sie von den Bischöfen geschändet worden wären.