reit, seine Tapferkeit zu zeigen, ohne des gegen ihn begangenenUnrechts eingedenk zu sein, stellte sich an die Spitze der Leib-wachen und der in Eile bewaffneten Bürger, brachte die Bulga-ren in Verwirrung und schlug sie über die Donau zurück. Umsteh von dieser Seite her die Ruhe zu sichern, ließ jedoch Ju-stinian nicht etwa den Krieg mannhaft fortsetzen, sondern griffzu seinem gewöhnlichen Mittel, ihnen einen jährlichen Tributunter der Bedingung zu zahlen, daß sie das Reich gegen andereBarbaren vertheidigten.
Belisar jedoch, dieser große Feldherr — ein Lichtblick im lan-gen Todeskampf deS griechischen Reiches — angebetet vom Heere, vonden Besiegten selbst nicht gehaßt und vom Feinde geachtet, züchtig inseiner Lebensweise, ritterlich uneigennützig, in seinen Unterneh-mungen von Muth und Glück begünstigt, ward unaufhörlich ge-quält von dem Neide der Höflinge und den Ränken einer unwür-digen Frau; geblendet durch seine Liebe für sie, sah er ihreSchändlichkeiten nicht; diejenigen, welche ihm die Augen öffnenwollten, strafte sie durch ihre Thränen und Betheuerungen Lügenund säumte nicht, sich nachher grausam an ihnen zu rächen. Aberhätte er es auch wagen dürfen, eine Klage zu erheben? An to-nt na war es, welche ihm durch die Vermittlung TheodoraSmitten in seinen Siegen den Oberbefehl nahm, ihren Zorn mußteer besänftigen, um sein Schwert wieder zu erhalten. In Folgeihrer Ränke wurde er aus Italien zurückberufen und nachherwieder dahin geschickt. Oft begleitete sie ihn, gab sich im Feldedenselben Ausschweifungen hin, wie zu Hause, und häufte Schätzean. Sie begleitete ihn aber nicht nach Persien, sondern blieb zuKoustantinopel, wo sie einen ihrer Liebhaber wieder erobern wollte.Ihr Gemahl und ihr Sohn, von ihrem schändlichen Betragen un-terrichtet, sannen endlich auf Rache, da erschien sie plötzlich, zer-streute den drohenden Sturm und gewinnt ihre Gewalt überihren Gemahl wieder; zu gleicher Zeit untergräbt sie sein An-sehen und veranlaßt wiederum seine Zurückberufnng. Bei seinerAnkunft in Konstantinopel begab sich Belisar in den Palast, woer nicht nur von den höchsten Häuptern schlecht empfangen wird,sondern auch an den Mienen deS feigen SchrvarmS der Höflinge,die ihr Betragen nach den Launen der Fürsten richten, erkennt,daß er Alles zu fürchten hat. Trostlos begibt er sich in seine Woh-nung, nicht ohne mehremale umzuschauen, ob man ihm nicht folge.Nach einer schlaflosen Nacht empfängt er einen Brief vom Hoft