144
selben Tage feiern wie die Christen; die Samaritaner, welche sicherhoben hatten, um nicht die Taufe annehmen zu müssen, wurdengctödket oder an die Perser und Jndier als Sklaven verkauft.
Nachdem aber Justinian diejenigen verfolgt hatte, derenKlaube sich verirrte, fiel er — welcher nach seiner Thronbestei-gung Alles, was er besaß, an Kirchen verschenkt und ein Klosterim eigenen Hause gestiftet — selbst in Irrthum. Julian vonHalicarnassoS, ein monophysitischer Bischof, welcher sich nachEgyptcn geflüchtet hatte, behauptete, daß der Körper Jesu Christikeiner Aenderung oder Verdcrbniß unterworfen gewesen sei. Hier-aus entstand der Zwiespalt. Diejenigen, welche mit Severusdie entgegengesetzte Meinung hegten, wurden Scverianer, Phthar-rolaträ oder Anbeter der Verwesung genannt; während diejenigen,welche behaupteten, Christus habe nur dem Schein nach gelittenund überhaupt Christi leibliche Erscheinung für ein Phantom hiel-ten, den Namen Phantasiasten führten. Der Streit dauerte schonlängere Zeit; da fiel eS Justinian ein, sich zu Gunsten derletzter» auözusprechen. Der heil. Nicolaus, Bischof von Trier,tadelte ihn deßhalb, indem er schrieb, daß Italien, Afrika, Gallienund Spanien von Bannsprüchcn gegen seine Lehre widerhallten.Aber er beharrte auf seiner Meinung und überließ sich einer hoch-müthigen Unduldsamkeit und traurigen Uebergriffen.
Mehr hatten ihm die schönen Künste zu verdanken, und dieKirche der heiligen Sophia ist ein ewiges Denkmal seiner Frei-gebigkeit; außer derselben ließ er in der Hauptstadt noch fünf undzwanzig Kirchen und mehrere Wasserleitungen bauen. Man er-staunt, wenn man in Prokop die Beschreibung all' der Bauwerkelieör, die auf seinen Befehl ausgeführt worden sind; derselbeSchriftsteller setzt hinzu, daß es nicht eine einzige Stadt in sei-nen Staaten gab, wo er nicht irgend ein prächtiges Gebäude er-richten, keine Provinz, wo er nicht eine Stadt, eine Festung oderein Schloß erbauen ließ. Auf dem Platze vor dem Portal vonSt. Sophia stand die Nciterstame deS Kaisers, bewaffnet wieAchill, in der linken Hand eine Weltkugel, die rechte wie dro-hend ausgestreckt. Sie wog 7000 Pfund; zu ihrem Guß ver-wandte man eine alte Statue des großen Th eodosiu s und über-dieß das Blei einer Wasserleitung. Am 29. Mai 1453 legten dieTürken unter die Füße des Pferdes dieses Standbildes den KopfdeS letzten Repräsentanten des KaiserthumS; hierauf wurde das