Band 
Fünfter Band.
JPEG-Download
 

430

h. Cäsarius klagt über diejenigen/ welche an Angurten glauben/Bäume/ Quellen und andere dem Heidenthum heilige Orte undGegenstände verehren.

Wir hatten bereits von mancher Grausamkeit zu berichtenund noch reichen Stoff böten in dieser Hinsicht die Chronikendar/ so wenig deren auch vorhanden stnd. Selbst der Klerus gabnicht immer erbauliche Beispiele / und Gregor von Tours er-wähnt der entsetzlichen Rache eines Bischofs/ welcher den PriesterAnastasius lebendig mit einem Leichnam begraben ließ. Beimersten Concil von Tours kam es zur Sprache/ daß //gewisse Prie-ster — o deS Greuels! — im Innern der Kirche Trinkstubenhalte«/ und die Orte/ wo man nur den Ton des Gebetes unddeS Herrn Preis vernehmen sollte/ hallen wieder vom Lärm derGelage/ von schändlichen Rede«/ Zank und Fluch".

Und doch ist der augenfälligste Zug dieser Epoche der Abstandzwischen der angebornen Rohheit und der smigenden Thätigkeitder Kirche/ und wenn auch jene die Könige zu den VerirrungendeS Ehrgeizes und der Leidenschaften antreibt / so lenkt fie diesedoch auch in die entgegengesetzte Richtung/ läßt fie Klöster stiften/auf den Rath ehrwürdiger Einfiedler höre«/ sich Kirchenbußenunterwerfen. Das nämliche Volk/ welches sich des Mißbrauchsroher Kraft und der Ausschweifung nicht scheut / weint auf denGräbern der Märtyrer/ ruft die Heiligen an und vertraut gläubigauf Wunder der göttlichen Güte.

Eben so roh wie die Sitten waren die Wohnungen/ in denendas nothwendige Geräthe mit dem Beile gearbeitet war. Dasgeschätzteste Möbel war der Schrank/ in welchem die Waffen auf-bewahrt wurden*); die Bänke (daher Bankett f. Festmahl) hattendie Stelle der Ruhebetten der Alten ersetzt. Das Wildpret/ wel-ches beim Mahle verzehrt wurde / briet in der Halle selbst / inderen riesigem Kamin ganze Baumstämme loderten/ und der Wein/welcher im vergoldeten Hörne/ zuweilen in menschlichen Hirn-schaalen kreiste/ erhöhte die Heiterkeit der Zechenden/ deren Aus-gelassenheit oft zu blutigen Raufereien führte. Etwas Naives/Kindliches ist diesen Zeiten eigenthümlich. Karl d. Gr. ver-schmäht in seinen Capitularien nicht/ Vorschriften hinsichtlich der

") Das entsprechende Wort in den romanischen Sprachen ist davon abge-leitet, so im Französ. armuirs von arme, Waffe; übrigens sagten bereitsdie Römer in demselben Sinne »rmarillin.