Band 
Fünfter Band.
JPEG-Download
 

465

lehrt hatte, wurden nunmehr zu Ehren des Gottes gehalten, welchergelitten und vergeben hatte. Die Bittgänge (Negationen) wur-den im fünften Jahrhundert von Mamertus, Erzbischof vonVienne (7 472), eingeführt *), und kamen sodann im neuntenJahrhundert in allgemeinen Gebrauch. Die ersten Litaneiensoll der heil. LazaruS, Erzb. v. Mailand, verfaßt haben, alsdaS furchtbare Schwert Attila'S seine Heerde bedrohte. Un-streitig weisen die darin enthaltenen Gebete auf eine große Gefahrhin, obgleich sie sich auch auf die Heimsuchung Europas durchdie Ungarn im I. 000 beziehen können, auö welcher Zeit auchwahrscheinlich ihre gegenwärtige Abfassung herstammt. Währendihrer dreitägigen Dauer wurde strenges Fasten gehalten, und be-streute man sich das Haupt mit Asche, später jedoch mischten sichdem auch profane Gebräuche bei, wie daS Aushängen von Blu-menkränzen an Häusern und Kirchen und, in der Wirklichkeit oderfigürlich, Kräuter, Eier, Brode, Gefäße mir Wasser, Wein, Oel,Milch auszusetzen; die Weiber brachten an den Fenstern ausLumpen verfertigte Puppen an, in der Hoffnung, dadurch eineglückliche Entbindung zu erlangen **). DaS Concil von Nicäa

den Wen des 2. Concils v. Nicäa (787) hervor. Als der Leichnam desHeiligen die Stadl Cäsarea erreich! habe. seien ihm die Bewohner mirKreuzen emgegengezogen, nachdem sie sich in der Kirche „beim Tone derheiligen Hölzer" (Conc. v. Nicäa, Art. 4) versammelt halten, und derBibliothekar Anastasinö, der die Akten dieses Concils iws Lateinischeübersetzt, bemerkt dazu, daß Orientalcs ligma pro eampains peroutiuni.Uebrigms blieben die Glocken stets selten im Orient: Gottfried vonBouillon rührte sie in Jerusalem ein, jedoch entfernte sie Saladinwieder; nach einigen Schriftstellern waren sie in Kleinasien nur bei denMaroniten und auf dem Berg Athos in Gebrauch. Statt ihrer dientenKlappen oder Holzstücke, mit denen man auf irgend einem hohen Orreschlug. Nach der Einnahme von Cvnstantinopel gössen die Türken dieGlocken in Kanonen um, und seitdem wurde im türkischen Reiche nurhöchst selten einer Kirche crlanbr, Glocken zn führen, denn die Erobererfürchteten die Ausrufung des Volkes durch die Sturmglocke. Aus dem-selben Grunde ließ Karl V, nachdem er die Empörung der Genier ge-dämpft hatte, die berühmte Rolandsglocke zerbrechen, aber als sie bereit«geborsten war, ließ er sie noch einmal in Bewegung setzen, um die Genieran die ihnen auferlegte Strafe zu erinnern.

Baronius (Martyrvl. 25. Apr.) hält sie für älter und glaubt, derheil. Mamertus habe ihnen mir die bestimmte Form gegeben.

*2) üluratoii, ^ntig. äiskert. 41, X,

Sagt tu, Weltgeschichte. V. 00