Band 
Fünfter Band.
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Gränze der wahrhaften Gesittung ist. Jedoch nicht mit Eineni-male gelangte sie zu dieser hohen Stufe der Entwicklung. Mitihren ersten aus Indien durch Thrakien gekommenen Anfänge»vermischten sich die Dialekte der verschiedenen nach Italien aus-gewanderten Kolonien und der unterworfenen oder verbündetenEingebornen. Aristokratisch ihrem Ursprünge nach, war sie eingetreues Abbild der Gesellschaft/ welche sie sprach, gleich wie dieinspirirte Sprache Judäas, das pricsterliche Idiom Indiens, dieVolkssprache Griechenlands. Wir müssen eS uns versagen, derGeschichte dieser Sprache nach ihren vier Perioden — der s. g.goldenen, silbernen, ehernen und eisernen Zeit — eine genauereDarstellung zu widmen und gehen sogleich auf die vierte dieserPerioden über. Zuvörderst eine Bemerkung über das lateinischeAlphabet. Die Gewalt der Waffen und die Verbreitung desChristenthums machten dieses — welches einen großen Fortschrittdarin bekundet, daß eS die Schriftzeichen unmittelbar durch ihrenLaut, nicht durch eine besondere Benennung wie die Griechenmit ihrem nlplln, betn etc., die Hebräer mit ihrem nie;,!,, betll etc.,die Slaven mit ihrem n«, iiultt etc., bezeichnet, wenn es auchmangelhafter Weise den Vocal bald vor, bald nach die Articu-lation setzt und es, er, ei sagt, statt sv, 16, je — fast allgemeinin Europa, wo jedes Volk dasselbe den neuen Idiomen anpaßte.ES hat uns auch daS Wenige erhalten, was von den keltischenSprachen übrig geblieben. Mit einigen Veränderungen eignetees Ulfila der gothischen Sprache zu, welche die Mutter desheutigen Deutschen ist; sogar mehrere slavische Völker paßten eSden Lauten ihres Idioms an, während andere sich des griechischenAlphabetes bedienten.

Als das Reich sich unzähligen Feinden erschließen mußte, undRom Barbaren aus allen Theilen der damals bekannten Welt zuBürgern hatte, nahm selbstverständlich der bereits begonnene Ver-derb seiner Sprache in hohem Grade zu. Diesen war eS alsGleichberechtigten nicht zu verbieten, in den seltenen Fällen, wosie vor Senat oder Volk sprachen, Worte oder Redewendungenaus ihrer heimathlichen Sprache zu gebrauchen. Als fremdeKrieger zu den höchsten Stellen und selbst auf den kaiserlichenThron gelangten, werden es sicher die Grammatiker nicht gewagthaben, bei ihnen auf Reinheit der Sprache zu dringen. Unterdiesen Auspizien begann das eiserne Jahrhundert, aus welchemwir traurige Literaturdenkmäler besitze». Die Legionen, welche