Band 
Fünfter Band.
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gebraucht und doch ist nicht zu vergessen/ daß die sehr alte s. g.italische Version aus der blühendsten Epoche der lateinischenSprache stammt. Liest man in dieser Uebersetzung die Psalmen/wie sie noch heute im ambrosianischen Ritus gesungen werden/so fühlt man/ daß hier der Sprache Latiums eine neue Krafteingeflößt ist und sie zur Darstellung der erhabenen Gedanken jeneedle Hoheit wieder gefunden/ die ihr in den ersten priesterlichenZeiten zu eigen gewesen sein mußte; man erkennt da einen andernWohllaut als einen solchen/ den die Prosaiker durch Abrundungder Perioden und die Poeten durch Nachahmung der griechischenRhythmen zu erreichen suchte»/ den aber ein musikalisch geübtesOhr sicher dem harmonischen Klang der italienischen Sprachevorziehen wird.

Ueberhaupt hat die Bibel verjüngend auf Sprache und Litera-tur eingewirkt. Ihre einfache Darstellung erweckte den Sinn füreine natürlichere/ ursprünglichere Poesie; sie lehrte die erhabenstenGegenstände ohne metaphysische Abstraktionen behandeln/ in welchedie Orientalen und auch die Griechen leicht verfallen. Die Bibelspricht ftetS durch Symbole und Bilder/ als wenn die Einbildungs-kraft diesen Weg eingeschlagen hätte/ da die Religion ihr dieDarstellungen durch den Pinsel und Weisel verbot. Sie lehrtedaher die Schriftsteller lebhafte Bilder zu gebrauche»/ und diesymbolischen Darstellungen/ an denen das Mittclalter so reich war/begannen nun. Manches griff zwar wieder hindernd in diese Be-wegung ein/ jedenfalls aber ward das klassische Latein durch diechristlichen Ideen umgestaltet und bildete sich eine neue Spracht/die das gemeinsame Idiom der Philosophen wurde/ bis zur Zeit/wo die Sprache Cicero'S wieder auflebte.

Jene Erhebung der plebejischen Sprache/ jene Rückwendungnach dem Orient/ von wo sie ausgegangen/ würde durch die Ein-führung der begeisterten Kraft der schönen aramäischen Sprachenund deS einfachen Baues der griechischen vollständiger gewesensein/ wenn nicht die gewaltsamen Ereignisse der Zeit in den na-türlichen Lauf der Dinge eingegriffen hätten. Diejenigen täuschensich jedoch/ welche den einfallenden Barbaren den größten Antheilan der Bildung der aus dem Römischen abgeleiteten und daherromanisch genannten Sprachen zuschreiben. Nach ihnen müßtenItaliener/ Gallier/ Spanier eines schönen Tages übereingekommensein/ das römische Idiom aufzugeben und das der Barbaren an-zunehmen. Weßhalb hätte dieses jedoch geschehen sollen? Die