Band 
Fünfter Band.
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Den Barbaren lag es näher/ Wunden zu schlagen als zuheilen. Während der Oftgothe Theodorich einen Oberarzt zurUeberwachung der öffentlichen Gesundheitspflege bestellt/ legen dieWestgothen in ihren Gesetzen der Ausübung der Heilkunst Hemm-nisse in den Weg und sprechen dem Arzte / der unter Umstandenin hohe Strafen verfällt/ den übercin gekommenen Lohn ab/ wennsein Patient stirbt. UebrigenS suchte und fand das gläubige VolkHeilungen / die ihm die Wissenschaft nicht zu verschaffen wußte.Der Augenleidcnde warf sich auf das Grab deS heil. Martinvon Tours nieder/ oder salbte sich mit dem Oele der daselbst bren-nenden Lampen; der vom Nesselfieber Heimgesuchte verehrte dieReliquien des heil. Deodat von Benevent/ und so wurde nochvon manchen Heiligen/ wie dem heil. IoanneS/ der heil. Ada/Gatten deS sächsischen Königs Egbert u. A./ geglaubt/ daß sievon gewissen Krankheiten den Anrührenden befreiten.

Dichtkunst.

Der beste «Dichter des untergehenden Alterthums/ Claudia-uuS/ kam um 395 auf die Veranlassung des Honorius ausAlepandrien nach Nom. Obgleich er erst im reifern Alter/ nach-dem er bereits in der griechischen alS Dichter aufgetreten / dielateinische Sprache annahm/ flößte er ihr eine Kraft ein/ diesie schon seit Langem nicht mehr kannte. Nicht glücklich mitseinen Dichtungen — „Raub der Proserpina"/ „Gigancomachia" —zeigt er in den zahlreichen Werken/ welche dem Preise Stilichosund der Herabsetzung seiner Gegner NufinuS und Eutropinögewidmet find/ wenigstens eine bewundernswürdige Meisterschaftder Form/ wenn auch nicht eine besonders fruchtbare Phantasie;er verlieh der lateinischen Sprache einen Wohllaut/ den sie nachihm nicht mehr erreichte/ doch aber erhob er sich/ vielleicht desZwanges wegen/ den ihm der Gegenstand seiner Phantasiern auf-erlegte/ nirgendwo zu jener Höhe/ auf welcher die großen Dichterden Geist entzücken und das Herz rühren / und kühn beginnendermattet bald sein Flug/ so daß seine Dichtungen mehr den Ein-

theil vermehren und Las schon Gedruckte namhaft verbessern. Oribasios,mit dem die Sammlung anhebt, ist ein Arzt des 4. Jahrhunderts undwar ein Freund Kaiser Julians, in dessen Auftrag er eine medizinischeEncyclopädie in 70 Büchern schrieb, von welchen etwa die Hälfte verloren,das Vorhandene aber noch nicht vollständig edirt ist, und die neuernHerausgeber haben das bisher Bekannte etwa verdoppelt. D. B.