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Geistliche Literatur.
Da wir Charakteristiken der größten Kirchenvater und Kirchen-lehrer bereits gegeben (Buch VI. Kap. 20. Buch VII. Kap. 10oder Bd. IV. S. 372 u. ff./ S. 791 u. ff.)/ können wir uns hin-sichtlich derselben auf die nothwendigen allgemeinen Andeutungenbeschränken. Die Kirchenvater suchten nicht die Kunst um ihrerselbst willen / sondern machten die Form dem Gedanken dienstbarund schufen eine Literatur ganz neuen Charakters / als die alteden ihrigen verlor. BiShcran hatte man nicht daran gedacht/das Volk in einer Kirche zu versammeln/ um ihm auszulegen/was eö glauben/ wie es anbeten und handeln sollte. Die Kennt-niß von den heiligen Dingen war/ wie alles Uebrige/ das Privi-legium einer kleinen Minderzahl geblieben und konnte auch schondarum nicht dem Volke in den Tempeln gepredigt werde»/ weilsogar die Priester über Dogmen und Moral weder unter sich einig/noch sogar mit sich selbst im Reinen waren. Die antike Bered-samkeit beschränkte sich auf die Sonderinteressen eines Bürgersoder einer Stadt; der Philosoph legte seinen Schülern Doktri-nen dar/ die lediglich philosophische Sätze waren und eines öffent-lichen und allgemeinen Charakters entbehrten. Sobald jedochChristus gesagt: Gehet und prediget Allen / mußte die allgemeinangenommene Wahrheit in der Versammlung der Gläubigen dar-gelegt/ eS mußte besprochen werde«/ was für daö Heil der gan-zen Welt von höchster Wichtigkeit war. Der Priester machte be-reits daS Kind zartesten Alters vermittelst des CatechiSmus mitden erhabensten Wahrheiten bekannt und durch die Lehrmethodewar ein Weib auS dem Volke im Stande/ Rechenschaft zu gebenüber das/ was Aristoteles und Plato unerklärlich geblieben.Diese Lehre währte aber auch so lange wie das Leben / um dieGläubigen in ihrem Glauben zu kräftigen oder die Verirrten zu-rückzuführen oder endlich die Ungläubigen zu bekehren. Ursprüng-lich stützte sich die Predigt lediglich aus daö Zeugniß des Wun-ders/ und der heil. Geist/ welcher durch den Mund der Apostelredete/ bedurfte nicht der überredenden Worte menschlicher Weis-heit (Corinth. 1/ 2/ 4); alS jedoch die Religion sich ausgebreitethatte/ und tiefer inl die Gesellschaft eingedrungen war/ bedientesie sich der nämlichen Waffe»/ die der Irrthum zu ihrer Bekämpfunggebrauchte und die Beredsamkeit ging von der Tribüne auf dieKanzel/ von der Politik zur Moral/ von den Interessen der Weltzu denen des Himmels über. Als Kunst gelangte die christliche