Band 
Fünfter Band.
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Beredsamkeit zur Entwicklung, als das göttliche Wort frei vonder Kanzel hernieder ertönen konnte. Durch die Kämpfe mirden Arianern wurde ihr das Feld eröffnet und nun nahm sieeinen raschen Aufschwung durch Redner — die Griechen Atha-nasius, BoetiuS, Gregor v. Nazianz, JoanneS Chryso-stomuS u. A., die Lateiner HieronymuS, Ambrosius, Au-gnstinuS u. A. — welche mit den Größten unter den Alten eineVergleichung aushalten und ihre Zeitgenossen weit überragen.Im Orient namentlich wissen die Vater nicht nur die Kunst, son-dern auch die Zunge der Griechen stch dienstbar zu machen, umdie neuen Ideen des Glaubens aufö Treffendste auszudrücken,ohne daß diese Sprache aufhörte, die nämliche zu sein, welche inDemostheneS Munde donnerte, mit JsokrateS entzückte: eSwar, als wenn einer alten Melodie neue Textesworte wärenuntergelegt worden. Diese sprachliche Virtuosität war nothwendig,um den Gebildeten und der an die Wettkämpfe der Rhetorengewöhnten Menge Theilnahme einzuflößen. Darum suchte auchJulian den Gegnern der alten Religion die gefährliche Waffezu entwinden, indem er die Christen von den Schulen ausschloß.Sie erhoben sich einstimmig gegen dieses ungerechte Edikt undwidmeten sich mit um so größerem Eifer dem Studium, undGregor von Razianz rief den Heiden zu: „Ich lasse euch alleandern Reichthümer, Geburt, Ruhm, Ansehen, alle die Güter,die wie Träume vergehen; aber ich nehme die Beredsamkeit, unduni sie zu erlangen, scheue ich keine Anstrengung, keine Reisen zuLand und Meer *)." Als sodann später die Kirche siegreich war,umgab sie sich, gleich wie sie sich mit Pracht und glänzendenFeierlichkeiten schmückte, mit dem Zauber der oratorischen Kunst,um durch dieselbe den nackter gewordenen ursprünglichen Glaubenzu ersetzen. — Bei den Lateinern war die geistige Kultur von vielgeringerer Dauer alö bei den Griechen gewesen, und als die alteLiteratur verstummte, verhieß die neue keine reichliche Erndte.In der ersten Zeit des Christenthums erhob sich unter den Latei-nern vor Tertullian kein Schriftsteller, und auch unter den-jenigen, welche nach ihm blühten, findet man weder jene schöneHarmonie des griechischen Geistes, noch jene Anmuth des Ver-trags, welche die Hellenen fast »«beeinträchtigt bewahrten **);

") Gegen Julian.

") Wir wollen jedoch hier auf einen Ausspruch Fried r. v, Schlegels in