Band 
Fünfter Band.
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wo sie irren/ Achtung verdienen / sondern um eine Leidenschaftfür Wortkämpft/ die sich am liebsten an untergeordnetere Fragenohne mögliche Lösung, ohne praktische Anwendung anklammertund zu einer so eingewurzelten Manie ward/ daß sie um bloßeÄußerlichkeiten und Zufälligkeiten ein Schisma herbeiführte.

Während diese Monarchie im Osten an der Auszehrung hin-siecht/ rühren und entwickeln sich in unsern abendländischen Ge-genden viele in Sprache/ Sitten / Kultur verschiedene und dochwieder durch ein gewisses unbestimmtes/ aber allgemeines Gefühl/daö sie einer gemeinsamen Zukunft entgegentreibt/ verbundenekleine Nationen. Mit den Longobardcn hört endlich die Anftrömunggermanischer Völker auf/ welche mit der christlichen Zeitrechnungbegonnen hatte. Nachdem sich diese Völker auf dem römischenBoden niedergelassen/ schlagen sie in demselben Wurzel und be-trachten Normannen/ Sarazenen und Ungar«/ die sie durch ihreEinfälle beunruhigen/ als Länderräuber.

Die altgermanische StaatSgesellschaft ist zwar aufgelöst/ so-bald die Kriegsgenossenschaft die sie kennzeichnende Gleichheiteingebüßt hat; eö erhält sich indeß die Herrschaft des Bewaffne-ten über die Gemeinde der Barbaren und die/ Koloncn oder Hö-rige gewordenen/ früheren Grundbesitzer. In den germanischenEroberern zeigt sich eine Mischung von Gutem und Bösem/ vonSchwäche und Kraft/ überhaupt von scheinbar widersprechendenEigenschaften / weil einerseits ihre Auswanderung daö Ursprüng-liche/ Angeborne wesentlich umgestaltete und anderseits die Eigen-thümlichkeiten der Besiegten ihrer Natur noch widerstrebten. Siewirken auf die römische Well mehr durch ihre Gegenwart alsihre Einrichtungen/ welche im Gegentheil allmälig dem Einflüsseder neuen Berührungen mir den unterworfenen Nationen unter-lagen.

Während in Rom dem Staate Alles geopfert wurde/ bringendie Germanen das Gefühl der persönlichen Freiheit mit sich/ undfortan thut der Mensch nur/ was er selbst wünscht und beschließt.Die Berechtigung eines Jedem nach seinem Gefallen zu handeln/so lange dieses ohne Beeinträchtigung eines Andern geschehenkann / war der antiken Gesellschaft unbekannt / in welcher dasOberhaupt oder die herrschende Partei nach Willkür jede Privar-handlung verhindern konnte/ die öffentliche Autorität über Allesverfügte und den Menschen dem Bürger aufopferte. MerkwürdigerWeise geht daher von den Eroberern und s. g. Barbaren dieper-

Can tu, Weltgeschichte. V. 39