Band 
Fünfter Band.
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tassem peitschen und einkerkern, und als er starb, folgten 80,000Männer und 60,000 Weiber seinem Sarge. Er lehrte eine sehrstrenge Religionsübung, und trotzdem fand er so viele Anhänger,daß sie unter der Regierung deS Khalifen Al-Radi (984) einengroßen Aufstand zu Bagdad erregten, wo sie Alles, was zum fei-nern Lebensgenuß und Luxus gehörte, vernichten und vertreibenwollten; in der Folge jedoch schmolz ihre Menge, und jetzt findetman deren kaum ausser Arabien.

Der heterodoxen Moslemen, die über Fundamentalartikel ihresGlaubens sich in Widerspruch befinden, gibt eö eine große Menge.Als Wirkungen ähnlicher Ursachen zeigen sich viele Analogienzwischen den christlichen und muhammedanischen Häresien; denndie einen wie die andern sind ja doch eine Folge jener geistigenUnruhe, welche den Menschen antreibt, mehr wissen zu wollen,als der Glaube lehrt, der hochmüthigen Ueberhebung über gewissebestimmte Vorschriften, des politischen Ehrgeizes, der Ueberresteder alten Religionen, deö MagismuS z. B. Diese Aehnlichkeitin den Meinungen wiederholt sich denn auch in den äußeren Er-scheinungen : Verfolgungen und Märtyrer, Sophismen und Dun-kelheiten, unauslöschliche Feindschaften und blutige Kriege. Nursind in Folge der Unwissenheit und der glühenden Einbildungs-kraft der Araber die Irrthümer der MoSlemen noch wunderlicher,ihre Wunder noch widersinniger, ihre Schriften noch dunkler undbilderreicher. Die Muhammedaner sagen, die Magier seien in 70,die Christen in 71, die Häretiker in 73 Schulen getheilt, vondenen eine rechtgläubig, während der Islam sie alle übertreffe,denn er habe 73 Schulen, die alle irrgläubig seien *).

") Gibbon stellt, wie leicht zu denken ist, die Religion Muhammedshöher als die Christi, hauptsächlich wegen der Stabilität im Vergleichmit der Beweglichkeit dieser. Diese Stabilität sieht er dadurch bewiesen,daß der Araber noch heute zu Constantinopel sage: Gott allein ist Gott,und Muhammed ist sein Prophet. Nun ist aber auch unter uns keinKind, das nicht, ohne sich um eine Sylbe zu irren, das Oreäo der apo-stolischen Zeiten hersagen könnte, welches doch auch ein Ganzes unverän-dert gebliebener Glaubenslehren enthält, während die moslemitische Glau-benssormel in 7 Worten weder ein Dogma noch auch nur einen dogma-tischen Sinn enthält, und daher der Veränderung viel weniger unterworfenwar. Gibbons Behauptung ist somit sür die Urtheilskraft seines Leserseine wahre Beleidigung. Was die angebliche Unbeweglichkeit des Islamanbelangt, so widerspricht ihr die Menge der Sekten, welche bis auf