783
vollen Namen Tiberius umwandelte und alsbald das Heer gegenKonstantinopel führte.
Tiberius III. 707—80S.
Die Hauptstadt, ohnehin von einer furchtbaren Pest verheert,wurde durch diesen unerwarteten Angriff in Schrecken gestürzt.Die Bürger waren dem Leontius geneigt, aber die Soldatenin der Stadt übergaben dieselbe dem neuen Thronräuber, der sei-nen Vorgänger mit verstümmelter Nase in ein Kloster sperrenließ. Tiberius erhielt sich mehr denn noch einmal so lange aufdem Throne, wohl weil er den Soldaten näher stand und diesebesser zu behandeln wußte. Sein Vater Heraclius kriegte glück-lich mit den Arabern in Kappadokien und Syrien, überbot aberdiese an Grausamkeit und Barbarei.
Inzwischen war aber Justinian in seiner Verbannung kei-neswegs gewillt, der Hoffnung, wieder den Thron zu besteigen, zuentsagen, und da er auch zu Cherson eö nicht unterlassen kann,den Despoten zu spielen und darum ein Gegenstand des Abscheu'öfür die Bevölkerung wird, sucht er eine Zuflucht bei dem Chagander Khazaren, dem er seine Tochter Theodors zum Weibe gibt.Zwar erhält Tiberius rechtzeitig von Juftinians SchrittenKunde und erlangt vom Chagan gegen ein großes Geldgeschenkdas Versprechen, seinen Schwiegervater auszuliefern, aber Theo-dor«, die von der Sache Wind erhalten, warnt ihren Vater,der die zu seiner Ergreifung geschickten zwei Khazaren ermordetund zu Schiffe geht. Er hat einen Sturm zu bestehen und einerseiner Vertrauten bittet ihn, zu geloben, falls er der Gefahr ent-gehe, seinen Feinden zu vergeben, aber der Verhärtete erwidert:Mögen mich auf der Stelle die Wellen verschlingen, wenn icheinem Einzigen Gnade gewähre.' Nahe der Donaumüuduna an'sLand geworfen, wendet er sich an den Bulgarenchau TcrbeleSund verheißt ihm die Hand seiner Tochter nebst der Hälfte derSchätze des Reichs dafür, daß er ihn nach Konstantinopel zurück-führe.
Zustinian reftltuirt. 70S.
Dem Bulgaren sind diese Zusagen genehm und mit 15,000Kriegern erscheint Justinian plötzlich unter den Mauern Kon-stantinopcls; nicht sobald dringt ein Haufe durch Verrath in dieStadt, als das wetterwendische Volk ausruft: ES lebe Justinian!Tiberius versucht zu entweichen, wird aber ergriffen, mit dem