Senatoren sie Leo anbieten zu lasse«/ ließ sich und seinen Sohnzu Priestern weihen und trat in die Dunkelheit zurück/ welche erwider seinen Willen verlassen hatte. In einem cphesischen Klosterbeschäftigte er sich damit / die Evangelien und Psalmen mit gol-denen Buchstaben abzuschreiben und in der Todesstunde verordneteer/ auf sein Grab das Wort Heilung/ zu setzen.
Durch das goldene Thor zieht Leo mit einem glänzendenGefolge und nmjubclt vom sklavischen Volke in die Hauptstadtein; indeß waren doch der Jubel und die Hoffnungen deö Volkesbei diesem Thronwechsel nicht ganz ungerechtfertigt/ denn Leo'sTapferkeit verhieß eine unerschrockene Vertheidigung / seine Thä-tigkeit eine gute Verwaltung. In die Hände der Bischöfe gelobteew die Dekrete der Concilien und die Entscheidungen der Kirchezu beobachten. Aber die Hoffnungen/ die auf Leo gesetzt wurden/sollten nicht in Erfüllung gehen und nachdem seine Vorgängerdurch religiöse Grübeleien und hochmüthigc Eingriffe in die Rechteund Pflichten der Kirche bereits so manchen Streithandel/ somanche Zwistigkcit hervorgerufen hatten/ ward er zum vollendetenHäresiarchen.
In der Bildcrvcrehrung beobachtete die Kirche stetS eine weiseMäßigung; sie beförderte durch dieselbe den Aufschwung derschönen Künste/ erhob die Phantasie/ dabei aber war sie stets be-dacht/ vor der Verwechslung der Copie mit dem Original/ vorder Anbetung des materiellen Gegenstandes, der nichts anderesbezwecke/ als das Gemüth zum Schöpfer zu erhebe»/ zu warnen *).
2) Daß wie in allen menschlichen Dingen auch hierin Mißbrauche eingerisscnwaren, ist leicht erklärlich: Waren die christlichen Völker doch noch kaumaus der Idolatrie hervorgegangen, welche, in ihrer rohesten wie vergei-stigten Form, auf die Vergöttlichung des Geschöpfes hinauslief. Sere-iln s, Bischof von Marseille, den es verdroß, daß das Volk gar häufigdas Zeichen mit dem Bezeichneten verwechselte, ließ gewisse Bilder, dienicht nur verehrt, sondern mich angebetet wurden, aus den Kirchen ent-fernen und zertrümmern. Auf die Kunde davon schrieb ihm Gregorder Große: „Ich belobe deinen Eifer, zn verhindern, daß von Menschen-hand gefertigte Bildnisse angebetet werden, doch aber ist es meine Mei-nung, daß du sie nicht hättest zertrümmern sollen, da sie-aus dem Grundein den Kirchen aufgestellt find, daß diejenigen, welche nicht lesen können,an den Mauern erblicken, was sie aus.den Büchern nicht erfahren kön-nen. Du hättest daher besser gethan, die Bilder zu erhalten und dasVolk zu belehren, daß es ein Irrthum sei, sie anzubeten VUI, 1ü)."