832
dessen bezeichnen ihn auch die geistlichen Schriftsteller als einenTyrannen, sie erzählen sogar von St. Eucharius, dem gleich-falls von seinem Sitze vertriebenen Bischof von OrleanS, in derVerzückung habe er Karl in der untersten Hölle erblickt und dieStimme eines Engels vernommen, welcher sprach, die Heiligen,welche beim letzten Gericht die Waage halten, hätten ihn, weiler sich an ihrem Gute vergriffen, zu den ewigen Strafen ver-dammt. Zur Bewahrheitung seines Gesichts soll St. Euchariusangegeben haben, man würde die sterblichen Uebcrreste Karlsnicht mehr vorfinden, worauf man sein Grab geöffnet habe, undin der That sei eS leer gewesen, habe Spuren des Feuers gezeigtund eine Schlange sei daraus hervorgekommen.
Die Nothwendigkeit, in welche Karl versetzt war, große Heerezu unterhalten, seine ganz kriegerische Erziehung, sein Streben,. dem Reiche Einheit und Kraft zu verleihen durch Demüthigungder trotzigen Vasallen, seine beständigen Kämpfe wider die In-vasionen, alles daö veranlaßt die Geschichte, ihn nachsichtiger zubeurtheilen, als die Chroniken thaten. Ueberdem mögen der Eifer,mit welchem er die Heiligen Wilibrod und Bonifacius inihren Bemühungen um die Bekehrung der Friesen, Thüringer undSachsen unterstützte, und seine Tapferkeit, vermöge deren er, wiePapst Gregor sagte, mit dem Schwerte über 100,000 Ungläubigebekehrte, zu seinen Gunsten in die Waagschale gelegt werden.Karl lebte nur noch zwei Jahre nach seinen großen Siegen undnach glücklicher Vereitelung einer von seiner Gattin Sunehildeangestifteten Verschwörung — deS letzten Versuchs dieser Art —zur Wiederherstellung deS Regiments der Merovinger. Im Ein-vernehmen mit den Großen des ReichS theilte er das fränkischeGebiet unter seine Söhne Karlmann und Pipin, verlieheinige andere Güter dem jüngsten seiner Kinder, Grifo, undstarb zu Kiersy an der Oise (22. Okt. 741) *).
Die Merovinger waren vergessen; wegen der sehr starken Par-tei ihrer Stiefmutter, Sunehild und deren Sohn Grifos, ka-
ch Er hinterließ ferner drei Bastarde: Reinig ins, nachmals Bischof vonRouen, Hieronymns, den Vater Fnldradens, welcher die AbteiSt. Qnentin stiftete, Bernhard, der als Wittwer in das Kloster Corveytrat. Seine eheliche Tochter Hildetrnde vermählte sich mir dem Oheime,Herzog Odilo von Bayern, seine beiden unehelichen Töchter Gnnt-rude und Thevdrade nahmen den Schleier.