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konnte kein anderer als das sichtbare Oberhaupt der Kirche sichfür unmittelbar von Oben mit der Vollgemalt bekleidet halten,war er das rechtmäßige Haupt der ganzen Menschheit, von derallgemeinen Kirche umfaßt. Diese von Gott dem Vater der Chri-stenheit verliehene Gewalt galt für eine von zwiefacher Natur,einer weltlichen und geistlichen, und wie er einen Theil dieser aufdie Bischöfe überträgt, um sie in seinem Namen auszuüben, an-vertraut er die weltliche Gewalt dem von ihm gesalbten Kaiser,auf daß er sie im Namen und unter der Leitung des Papstes aus-übe und das sichtbare Oberhaupt der Kirche für die Wahrung derweltlichen Dinge werde. Die beiden Gewalten sind daher unzcr-trennlich und die eine hat der andern zur Stütze zu dienen undkeineswegs können sie einander entgegen wirken wegen ihrer ver-schiedenen Natur und Aufgabe.
Die von beiden vorherrschende Gewalt ist natürlich die päpst-liche, die daS SchiedSrichteramt ausübt in den Zwiftigkeiten derFürsten sowohl unter sich, als mir ihren Völkern. Eine bewun-derungswürdige Einrichtung, welche die Utopien eines mehr edlenals praktischen Philosophen thatsächlich überflügelte und gegen dieblutigen Greuel des Kriegs daö Heil darbot, welches man in derGegenwart von den Protokollen der Diplomatie oder den wohl-gemeinten Bestrebungen deö Vereins der Friedensfreunde — ver-geblich erwartet.
Da der Kaiser nicht bloß der Beherrscher des Reiches, son-dern auch Italiens und der ganzen Christenheit war, lag eS inder Natur der Sache, daß der Papst berufen wurde, zu dessenWahl seine Billigung und seine Zustimmung zu geben. Der Er-wählte gelobte in die Hände der Geistlichkeit, die Vorschriftender Gerechtigkeit und die positiven Gesetze zu beobachten; dieseswar so zu sagen die Bedingung der Krönung. Brachen die Kaiserden Schwur und insbesondere verletzten sie den Glauben, dessenVertheidiger sie sein sollten, so verloren sie allen Anspruch aufGehorsam. Das ist, waö man vor Allem sich vergegenwärtigenmuß, wenn man eine klare Anschauung von der Geschichte desMittelalters gewinnen und Vorgänge begreifen will, welche unterjedem andern Gesichtspunkte betrachtet als willkürlich und usur-patorisch erscheinen werden.
Anderseits übte der Kaiser alS weltlicher Regent der Christen-heit eine Oberherrlichkeit über alle Königreiche, und nicht minderüber Rom aus, welches nun seinen einstigen Glanz als Hauptstadt