Band 
Fünfter Band.
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eine Religion, die gebot, ihm als Stellvertreter der Gottheit zugehorchen: diese Monarchie hatte daher nichts Erbliches oder Per-sönliches. Als sie das Reich niedergeworfen hatten, gedachten sieseiner rinsiigen Größe und suchten den Pomp, der es umgab, nach-zuahmen , seine zusammengesetzte Verwaltung, sein Finanzsystem,seine weite Einheit sich anzueignen, daher die Institutionen derVölker der Invasion den Widerspruch der ursprünglichen Rohheitund der Erinnerungen an die römische Gesittung beständig in sichtragen. Obgleich der Ursprung der Autorität bei ihnen ein ganzanderer war, z. B. die Merovinger in Franken, die gothischenKönige in Italien und Spanien als Abkömmlinge von Heroenherrschten, nahmen sie doch alle den römischen Begriff vom Herr-scherthume auf und wollten als die Stellvertreter des SraarS,die Abbilder GotteS gelten. Die longobardischen Könige in Ita-lien und die Pipine in Franken wichen von der alten germani-schen Ueberlieferung ab, indem sie sich nicht auf irgend ein Erb-recht, sondern lediglich auf die Gewalt stützten. Die Langobardenunterlagen in dem Versuche, die andern aber eigneten sich mitgrößerer Einsicht den christlich-rcligiösen Charakter an und ließensich vom Klerus die Salbung ertheilen, und diesen Weg verfolgteKarl der Große, indem er das politische SymboldeS römischenReichS wieder in Geltung erhob und als von Gott berufen —von Gottes Gnaden — herrschte. Nachdem ihm in solcher Weiseder Plan, an welchem seine Vorgänger gescheitert, gelungen war,nämlich das germanische Herrscherthum mit dem lateinischen Re-gimente gleichsam zu vermählen, nahm er das Werk der Cäsarenwieder auf, nach Außen hin die Feinde abzutreiben, im Innerndie Einheit der Regierung herzustellen.

Die Zeitgenossen betrachteten die Ceremonie der KrönungKarls als eine Erneuerung deS abendländischen Kaiscrthums;jedoch scheint unS fast eine prophetische Stimme entgegen zu tö-nen aus jenen Versen, in welchen ein byzantinischer Annalist singt:So wurde das Band zerrissen, welches sich um die zwei Herrscher,städte schlang; so schied daS Schwert die Tochter von der Mutter,Ncurom, voller Tugend und Schönheit, von Altrom, der hinfälli-gen, mit Runzeln bedeckten. In der That war fortan die antikeGesittung abgetrennt von der Civilisation der Zukunft, jene vonden entarteten byzantinischen Kaisern vertreten, jene zu leiten über-nahm der Papst, indem er dem fränkischen Helden die höchste welt-liche Gewalt übertrug. Wenn jede Gewalt von Gott ist,