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In der Landschaft Kin-tschia fügt sich die Natur gehorsamden Bedürfnissen der Bonzen, so daß die Jahreszeit unfreundlichund kalt wird, so bald sie ihre Erndte eingebracht haben, darumhat auch der König die Einrichrung getroffen, daß sie ihren Iah-reSvorrath nicht früher aufgezehrt haben, als bis im ganzen Landedas Getreide reif und eingeheimset ist. An einer andern Grelleerzählt Fa-Hian: Wann die buddhaistische» Könige in Indienden Mönchen ihre Huldigungen darbringen, legen sie und ihreSöhne die Tiara ab, die Würdeträgcr reichen selbst den frommenEinsiedlern die Speisen, und nachdem sie diese ihnen vorgesetzt,breiten sie einen Teppich auf dem Boden aus, hüten sich aber inihrer Gegenwart, sich eines Sitzes oder Ruhebetts zu bedienen.Die Könige, die Großen, die Familienhäupter erbauten Kapellenfür die Mönche, schenken ihnen Lebensmittel und Felder, Wein-berge und Gärten, nebst den zu deren Bebauung nöthigen Arbei-tern und Thieren. Die Thatsache dieser Schenkungen ist auf Eiseneingegraben worden und kein Fürst wird eS wagen, sich die min-deste Aenderung daran zu erlauben.
Wir lernen hier abermals die Aehnlichkcit zwischen demBuddhaismus und Christenthum kennen, auf welche wir bereitsaufmerksam machten; diese Aehnlichkeit beschränkt sich jedoch we-sentlich auf die Ursprungszeit beider Religionen, deren weitereEntwicklung einen gänzlich verschiedenen Verlauf nimmt, denndie eine nahm eine pantheistische, die andere eine theistische Richrtung. Das Christenthum ist eine Religion der Freiheit, der Liebe,der Thätigkeit, während der Buddhaist einen Gott anbetet, derdem fatalistischen Gesetz unterworfen ist und in dessen nebelhafterEinheit das Gute und das Böse, die Weisheit und die Verkehrt,heit in einander verschmelzen. Im Buddhaismus ist die höchsteTugend Unthätigkeit des Geistes, alle andern sind dieser unter-geordnet, und der oberste Zweck ist, zur Verzückung, zum leerenRaum, zur Selbstvcrnichtung zu gelangen.
Der Buddhaismus blühte in China unter den Uuan und dannwieder unter den gegenwärtig noch herrschenden Mandschu. ImJahr 1779 schrieb der Kaiser Kien-lung an den Groß-Lama,daß er ihn als das Oberhaupt und den Heiligsten derjenigen be-trachte, welche ihr Leben dem Allmächtigen widmen und daßsein einziger Wunsch sei, unter seine Schüler gezählt zu werden.Zugleich bat er ihn um die Gunst, da er bereits 70 Jahre zähle,ihm die Möglichkeit zu gewähren, ihn vor seinem Tode von An-