Band 
Fünfter Band.
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bet lehrte/ welches er von den Uiguren und diese von den Nesto-rianern erlernt hatten. Dies trug wesentlich zur Sittigung derMongolen bei und verschaffte ihnen eine Literatur/ denn verschie-Vene religiöse Werke wurden auö dem SanSkrit und Tübetanischenin ihre Sprache übersetzt.

Sobald der oberste Lama auch als weltlicher Fürst mächtiggeworden/ erhoben sich auch Neider und Feinde wider ihn undwurde diese hohe Würde daS Ziel ehrgeiziger Bestrebungen. Sokam es/ daß der Lama des großen Klosters zu Brieun gegen denLama von Scchia mit gcwaffnetcr Hand zog und sich zum Groß-Lama aufschwang/ trotzdem der andere in dieser Würde durchden Kaiser bestätigt worden. Dieser wandte sich daher an denchinesischen Hof/ der dann auch ganz Tübet zum Theil unter ihmergebene Fürsten/ zum Theil unter die beiden Nebenbuhler ver-theilte ; die Folge war / daß der eigentliche Groß-Lama auf dieStadt Scchia und ihr Gebiet und einen bloßen Ehrentitel be-schränkt blieb. Während aber die beiden Oberpriester noch mireinander stritten/ erhob sich ein tübetanischer Fürst und beraubtesie ihrer Staaten / und er hinwieder wurde von den DschengiS-khaniden unterworfen; der Groß-Lama hat aber seitdem aufgehört/auch ein weltlicher Fürst zu sein.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts bediente sich ein Häupt-ling/ Namens Altan/ der Religion zum Werkzeug seines Ehr-geizes; nachdem er sich gewaltsam der Länder/ in welchen derLamaismus herrscht/ bemächtigt hatte/ lud er den Groß-Lama eiv/sich zu ihm zu verfügen. Die göttliche Inkarnation fügte sichdiesem Wunsche und ihre Reise ward von großen Wundern be-zeichnet/ unter denen eines der merkwürdigsten/ daß/ als derKönig und der Lama einander ansichtig wurden/ sie plötzlich innewurden/ daß sie in einem frühern Leben sich bereits gekannt hat-ten. Altan erinnerte sich/ Dschengis-kanS Abkömmling Ku-bilak/ der fast ganz Tübet erobert hatte/ gewesen zu sei»/ währendder Lama sich die Ehren- und Gunstbezeugungen in'S Gedächtnißzurückrief/ mit denen ihn Kubilai überhäuft/ da er drei Jahr-hunderte früher als Lama Pegsapa/ als Nachkomme desjenigen/welcher die Mongolen die Schrift gelehrt/ gelebt! So alte Freundeverständigten sich leicht und bei ihrer Trennung legte der Groß-Lama dem König den Titel „unendlicher/ erhabenster Szepterträ-ger" und dieser jenem den Titel meergleicher Lama (Dalai-Lama)bey welchen Titel seine Nachfolger beibehielten.