186
welcher ebenfalls Anagni zur Vaterstadt hatte, sowie InnocenzIIIund Gregor IX. Als apostol. Notar und »ävoent>i8 Oonsislo-riuUs wurde er schon Mitarbeiter bei den wichtigsten Geschäften,
brachten die Kunde unter das Volk, und ein Haufe drang sogleich mitneapolitanischem Ungestüm in das Schloß bis zur Zelle des Heiligenund beschwor ihn, Papst zu bleiben. Er verabschiedete die Vorlautenmit gütigen Worten, hielt aber alsogleich ein Consistorium, erklärte dain Demuth seine Untauglichkeit, das Pontificat zu führen, und bat dieCardinäle um ihren weisen Rath. Sie trösteten ihn. Allein sein Ent-schluß stand fest; nnr war ihm der Vorschlag recht, daß man öffentlicheGebete anordnete, um die Gnade der Erleuchtung von oben zu erflehen,und das geschah denn in Neapel mit erstaunlichem Eifer, welchen zu be-leben und zu befeuern Karl H nicht ermangelte. — Da die andernKünste, durch welche man jenen Entschluß umwerfen wollte, nicht ver-fingen, so dachte man jetzt bei Gelegenheit dieser öffentlichen Andachtgleichsam von» ganzen Volke den Heiligen bestürmen zu lassen, desto un-widerstehlicher, da ihn gewisse Leute sogleich erinnerten: Vox xoxuli, voxäci! Am 6. Dezember ward eine die ganze Bevölkerung der Hauptstadtin Bewegung setzende Prozesston vom Dom aus nach dem königlichenSchloß hin veranstaltet, wo der Papst wohnte. Auf dem Schloßplätzeangelangt, erhob die Menge wie üblich Geschrei, um den päpstlichenSegen flehend, und Cölestin V erschien am Fenster nebst drei Prälatenund gab die Bcnedietion. Da trat ein Bischof, der die Prozession be-gleitete, hervor und redete im Namen Aller und zuvörderst im Namenves Königs Karl: man bitte inständig und kniefällig, er, ein so heiligerMann, ganz nach dem Herzen Gottes. und der Ruhm und Stolz desKönigreichs, das ihn geboren, möge doch Niemanden Gehör geben, derihm zurede, das Oberhirtenamt niederzulegen, Ivas ja alle Frommen indie tiefste Trauer versenken und die Kirche Christi um ihre schönste»Hoffnungen bringen würde. — Cölestin ließ durch einen der nebenihm stehenden Bischöfe die ausweichende Antwort ertheilen: es sei darankein Gedanke, außer die Sache stelle sich anders, so daß das Gewissenbeschwert würde. Mit diesem Bescheide kehrte die Prozession, das ll'evoum singend, in die Kathedrale zurück, und Karl hatte den letztenKunstgriff seiner Politik abgenützt. Es wurde durch ein Paar Wochenstille, als hätte der Papst sein Vorhaben wieder vergessen; er aber be-reitete insgeheim das Nöthige vor, damit nach allen canonischen Formenseine Resignation und die Wahl eines Amtsnachfolgers vor sich ginge,ehe Karl es vermuthen und sich einmischen konnte. Die Feinde desPapsts Bonisacius VIII haben hinterher ausgesprengt, er sei alsCardinaldiakon dem Heiligen unablässig in die Ohren gelegen und Haupt-ursache der Abdankung desselben gewesen. Daß von diesem und vonandern Cardinälen, welche dem gebieterischen Einflüsse Karls zu ent-rinnen verlangten, Cölestin gewarnt und so allerdings sein Gewissen