Band 
Achter Band.
JPEG-Download
 

185

ausgezeichnet und jung den Doktorgrad erlangt hatte, wie aucheine Domherrnpfründe zu PariS und Lyon; um 1260 war erDomherr zu Anagni und stand bei Alexander IV in Gnaden,

und seinen Namen zu höchst verderblichen Sachen Herleihe! Ach! Hatmich denn Gott erhöht, rief er jammernd aus, um mich desto tiefer zustürzen! Was versteh ich voll all diesen Händeln der Welt? Wär ichdoch wieder in meiner armen Klosterzelle, dort dir, o Herr! in Einfaltzu dienen und mein Heil zu wirken! Während mir die Macht über alleSeele» zugetheilt ward, verlor ich die, meine eigene zu besorgen und zuretten! — Kummervoll fragte er Jeden und Jedes um Rath, und nachvielem Ueberlegen und Weinen und Beten faßte er den Einschluß, diefür seine leiblichen und geistigen Kräfte allzuschwcre Bürde abzuwerfen.Nichts konnte dem König Ka rl II, der bald hieven Wind bekam, unge-legener sein; er ließ Alles versuchen, dem Heiligen diese Gedanken ausdem Sinne zu bringen, er setzte persönlich an ibn mit den schmeichelhaf-testen Worten und bewog den kindlich nachgiebigen Greis, mit dem gan-zen päpstlichen und königlichen Hofe in die für solche Ehre und Gnade. ausnehmend frohe und dankbare Hauptstadt Neapel zu wandern, wahr-scheinlich bei Beginn des Advents. Da er diese heilige Zeit nur gott-seligen Uebungen in der stillsten Einsamkeit zu widmen Pflegte, richteteman ihm nach seinem Wunsche im königlichen Palaste zu Neapel einehölzerne Zelle ganz nach dem Muster der von Murrone her, in welcheer sich verschloß. Drei ohne Zweifel von König Karl unmaßgeblichvorgeschlagene Cardinäle sollten inzwischen, damit Cö lest in ja nickt inseiner Andacht gestört würde, das Siegel führen mit unbeschränkter Voll-macht, sehr schlau. Es heißt, Cardinal Mattes degli Orsini,welcher in Rom zu thun gehabt, kehrte gerade zur rechten Stunde vonda zurück, diese der Einfalt Cöle st ins gelegte Schlinge zu zerreißen,indem er ihm vorstellte, man werde sagen, die Kirche habe nun dreiPäpste für einen und sei zum Monstrum geworden. Andere nun eben-falls von dem Acngstlichen zu Rath gezogen, bestätigten die Unthuulich-keit einer solchen Stellvertretung und die Nothwendigkeit, daß der Papstin Person wichtige Berichte anhöre und sein Urtheil darüber abgebe.Ein heilig geachteter Minoritenbruder, Jacopone von Todi (Sieheoben S. 167), welchen Cölestin gerne sprach, soll durch sein freimü-thig warnendes Wort ihn vorzüglich erschüttert haben, so daß er dieAbdankung neucrdiugs und noch fester beschloß, und da er in einemCompcndium des kanonischen Rechts vergebens nachgesucht, welche Ursa-chen zureichen möchten, die Tiare niederzulegen, rief er diesen und jenenerfahrnen Cardinal, darunter den ausgezeichneten Canonisten Bcnedictvon Anagni, und legte jedem einzeln die Frage vor, ob ein Papst resig-niren könne. Die Antwort lautete immer: Allerdings, aber nur aussehr wichtigen Ursachen. Anders redeten freilich die Mönche seiner Kon-gregation, denen die Abdankung so wenig zusagte als dem Könige; sie