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rcnde Ehrfurcht vergessen möchten, ist eben die Stadt Vienne zumSitze des Conzils ersehen worden; jenseits der Brücke stehen Phi-lipps Trabanten. Weder auS der pyrenäischcn Halbinsel noch.auSDeutschland noch selbst auS Italien wollten fich daher Bischöfenach dieser Stadt begeben, welche frei zu sprechen und die Rechteder Kirche und namentlich den vom Pariserhof so tyrannisch miß-handelten Tempclordcn — Philipp hatte sogar gegen denselbenpredigen lassen, um das Volk wider ihn auszuregcn — zu verfechtenwünschten. Hätte auch einer unter den anwesenden deutschen Bischö-fen, deren gewiß sehr wenige waren, Lust und Muth gehabt, sichkräftig auszusprechen, eö mußte schon deshalb unterbleiben, weilHeinrichs VII und des Reiches Lage die größte Schonung desfranzösischen Nachbars gebot. Desto mehr ist zu verwundern, daßPhilipp IV und sein zahlreicher, im heil. Collegium bereitsüberwiegender Anhang doch noch auf Schwierigkeiten überSchwierigkeiten stieß und mit Noth daS gesteckte Ziel erreichtwerden konnte*)." Aus den unklaren oder offenbar unglaubwür-digen Nachrichten scheint so viel als thatsächlich hervorzugehen,daß gleich in der ersten Sitzung die Bischöfe die Meinung auS-sprachrn, gemäß der erlassenen Vorladung — die von flüchtigenTemplern gesandten Defensoren soll Clemens haben einkerkernlassen — müßten die Templer zur öffentlichen Vertheidigung zu-gelassen werden; ohne Erfolg hatte dagegen der Papst sich erklärt,aber, bis auf Wenige, darunter Ein Nichlfranzose, seien diePrälaten bei ihrer Meinung geblieben; selbst wen» der Ordenschuldig befunden würde, dürfe er nicht mit einer so groben Ver-letzung aller Nechtsformen vcrurtheilt werden. So verstrich unterden Unterhandlungen ein halbes Jahr, bis eine zweite Sitzungkonnte gehalten werden. „Wurden nun von den Vätern die vor-gelegten Verhörsprotokolle der sog. päpstlichen Commission alshöchst unregelmäßig und ungenügend verworfen, hob man besondersden Umstand hervor, daß entsetzliche Martern Geständnisse erpreß-ten, und daß diese doch nichts übereinstimmend wider den Ordenconstatirten, oder den, daß nicht die Ordensobern, sondern fastnur Servientcn (dienende Brüder) verhört worden waren; stellteman dem, was in Frankreich von Gefolterten ausgesagt wordenwar, das Zeugniß der in andern Ländern gehaltenen Synodenentgegen, welche den Orden al§ unschuldig frei sprachen: gewiß
*) Damberger, Bd. XIII, VII. Zeile, Abschnitt I.
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