Band 
Achter Band.
JPEG-Download
 

252

viele Mittel einem Richter zu Gebote stehen, um den Delinquen-ten, der ihm als Opfer bezeichnet ist, zu verderben? Nun warenaber doch sicher PhilippS Juristen Meister in ihrer Kunst, nach

für rein erdichtet ansehen muß. Für ersteres spräche die gewöhnliche,in sich nicht unwahrscheinliche Erzählung, er habe am 11. März 1319vor allem Volke seinen Schmerz darüber geäußert, daß er dem Papsteund dem Könige in jenem Stücke zu Willen gewesen; das zweite dürfteaber aus vielen Gründen glaubwürdiger erscheinen. Warum rückte mannie mit der artikulirten Depvsition des Großmeisters heraus, wenn mansie in Händen hatte? Warum wollte man durchaus noch eine zweite ihmabnöthigcn, noch am Brandpfahl im Scheiterhaufen, war die erste eineauthentische? Daß er, wie man vorgab, die zwei Punkte „Christi Ver-läugnung und Anspeiung des Kreuzes" einbekannt habe, ist sowohl inHinsicht auf seine Person als aus die andern Ordensglieder im höchstenGrade unwahrscheinlich, und was hätte er denn sonst einbekannt? Nichtswird weiter angeführt. Jene Erzählung vom 11. März gibt ebenfallsnirgends genau die von ihm gebrauchten Ausdrücke; ja der Eine läßtihn den Reueschmerz schon am Morgen äußern, als er vor der geistlichenCommission stand bei Notre-Dame, der Andere erst am Abend, als erden Scheiterhaufen bestieg, und man bringt das mit dem Gerüchte inVerbindung, welches sich ebenfalls verbreitete, der Großmeister habe ausden Flammen rufend den PapstClemens V und den König Philipp IVfeierlich vor Gottesgericht geladen innert Jahresfrist. Vor der geistlichenKommission muß freilich Molai etwas der bezeichneten Art zum Schre-cken gewisser Leute auszusprechen angefangen haben, so daß man ihn nichtweiter reden ließ, sondern in Hast die Sitzung aufhob; allein er dürftestatt ein abgelegtes Schuldgeständniß eher jene Nachgiebigkeit reuig be-klagt haben, zu welcher ihn 1306 — 7 , wie glaublich, das Fürwort desPapstes bewog, daß er nämlich dem König heimlich mit deponirten Gel-dern aus der Noth half, der Anfang des Uebels. Hat Philipp IV auch(man darf das annehmen) nicht des Geldes wegen die ersten feindlichenSchritte wider den Orden gethan, nach der Confiscation aller beweglichenGüter und nach der stinken Verschleuderung jener ward doch das Geldnicht weniger als sein Stolz Ursache, daß er unbeugsam aus der Forde-rung bestand, der Orden müsse vernichtet werden, und daß er nimmer-mehr dahin zu bringen war, die allein um das Geschäft wissenden Groß-würdenträger vor den Papst treten zu lassen. Niemand hat je erfahren.Wie groß die für den Krenzzug ersammelten und im Tempelhos zu Parisniedergelegten Summen gewesen und wo sie hingekommen sind. Ober-flächliche Franzosen waren keck genug, die Uneigennützigkeit des Tyrannenanzupreisen und zu behaupten, er habe von jenen Gütern nichts für sichbehalfen; nun bezeugt aber mehr als eine Urkunde, daß nur die Ertra-dilion des unbeweglichen, das übrige war ohnehin nicht mehr zn erfra-gen, noch bis ins dritte Jahr nach Philipps IV Ableben mit dem