Band 
Achter Band.
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den Guttel, wobei sie beteten, sich niederwarfen, sangen. Sodannverlas einer derselben einen Brief, der nach seiner Angabe voneinem Engel in die St. Petcrskirche zu Jerusalem niedergelegtworden; der Brief besagte, Christus sei erzürnt über die Weltwegen ihrer Sünden, auf die Fürbitte der heil. Jungfrau aberwolle er den Menschen Erbarmen angedeihen lassen, wenn einJeder auf vierunddreißig Tage sein Haus meide, um sich zu gei-ßeln. Man nahm diese Geißler aller Orten wohl auf und be-schenkte sie reichlich, um Fackeln und Kreuze anzuschaffen. DeSAbends und des Morgens geißelten sie sich öffentlich, «des NachtSim Geheimen; sie enthielten sich, mit Weibern zu reden, aufFedern zu schlafen; auf ihren Fahrten blieben sie in keiner Pfarreiüber Nacht, ausgenommen des Sonntags. Sie trugen schwarzesGewand, mit vorn und hinten, sowie auf der Mütze aufgeheftetenrothen Kreuzen; am Gürtel hatten sie die Geißeln befestigt. Diesich ihnen untcrwegeö anschlössen, und es waren ihrer überausviele, mußten schwören, den Führern vierunddreißig Tage langzu gehorchen, mindestens vier Heller täglich zu verzehren, gebeich-tet und communizirt, sich mit ihren Feinden versöhnt und dieEinwilligung ihrer Weiber erhalten haben. — So zogen dieGeißler durch Deutschland, die Niederlande, Frankreich und Ita-lien, aber je mehr ihre Menge und damit ihr Fanatismus stieg,desto mehr stiegen auch die durch sie hervorgerufenen Unordnun-gen und Excesse, insbesondere als Weiber sich ihnen anschlössen.Bald begannen sie Teufel auszutreibcn, einander zu beichten undloszusprechen. DaS Unwesen nahm so sehr übcrhand, daß derPapst sich dagegen aussprach und die Inquisition Verfolgung deralles Kirchenthum verachtenden Geißler anordnete, während ihnenKönig Philipp bei Todesstrafe das Betreten französischen Bo-dens untersagte*).

") Die Erscheinung war übrigens weder eine neue noch eine sich nichtwiederholende. Bereits im Jahr 1200 waren große Schaaren von Män-nern und Weibern in Italien umhergezogen, sich bis aufs Blut geißelnd,zur Versöhnung, zur Restitution ungerechten Gutes und dergleichen auf-fordernd; Oberto Palavicino. Obizzo d'Este, die Torrianizu Mailand, Manfred in Sizilien und andere Fürsten und Tyrannenbedrohten diese unbequemen Landstreicher mit dem Tode. wenn sie sichauf ihre Gebiete wagten; an andern Orte» gründeten dieselben Brüder-schaften, um regelmäßigen Bußübungen obzuliegen. Im Jahr 1334 zogder Predigermvnch Venturino von Bergamo bis nach Rom, gefolgt