Band 
Achter Band.
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bei Azincoutt nicht Theil genommen, tritt nun wieder mit zahl-reichen Reitergeschwadern, denen sich viel Volk wieder anschloß,hervor, um sich der Regierung zu bemächtigen; der König jedoch,oder vielmehr der Dauphin — der dritte königliche Prinz, KarlvonPonthieu, der nach dem Tode seiner beiden ältern BruderDauphin geworden — wirft sich dem Armagnac in die Arme,der zum Connetable erhoben worden und nun mit Festigkeit, aberauch mit einer Strenge, die viele seiner Maßnahmen als Hand-lungen der persönlichen Rache erscheinen läßt, die Zügel der Re-gicrung ergreift. Unklug aber gerecht war die Bestrafung derwollüstigen Königin Jsabclla von Bayern, die vom Hofe ent-fernt ihr üppiges Leben zu Vinecnncs fortsetzte, und sich bald zuTours mit dem Mörder ihres Geliebten, dem Herzog von Burgund,gegen ihre neuen Feinde vereinigte. Der Herzog seinerseits nähertsich England und verpflichtet sich, Heinrich V als König vonFrankreich anzuerkennen, ihm zur Erlangung der Krone behülfiichzu sein; er erläßt eine Proklamation, worin er die Mißhandlungdes Hofeö durch den hochmüthigen Armagnac hervorhebt und dieAufhebung der Steuerlasten verspricht; viele Städte erklärensich für ihn und PariS selbst wird vom aufständischen Volke ihmüberliefert. Der wüthende Pöbel richtet ein fürchterliches Blut-bad an. Die Reichen werden geplündert, über 2000 ArmagnaeS,und darunter die Häupter der Partei, die der Herzog hatte fest-setzen lassen, in den Gefängnissen ermordet, der Dauphin wirdin ein Betttuch verhüllt gerettet, der König aber geräth in dieGewalt des Herzogs, der die begangenen Greuel dadurch gutzu-machen sucht, daß er die Hauptthäter, seine blutigen Werkzeuge,aufknüpfen läßt.

Inzwischen ist Heinrich V in Rouen eingezogen, wo erbereits als König von Frankreich*) Münzen prägen läßt (1419).Der Herzog von Burgund, dem es nur um den Besitz von PariS

"1 Die französische Krone hatte dadurch auch einen besondern Werth, daßsie ihrem Träger das Vorrecht verlieh, durch Berührung Skrophelkrankezu heilen. Man stritt sich während der französisch-englischen Kriege ernst-lich darnm, ob dieses Vorrecht dem Könige von Frankreich oder dem vonEngland zukomme, und viele Bände wurden über den Gegenstand ge-schrieben. Man wird einwenden, es hatte ja nur genügt, sich aus dieErfahrung zu berufen; aber auch da traten Augenzeugen auf, die solcheHeilungen, von dem einen wie von dem andern der beiden Könige be-wirkt, bezeugten!