Band 
Achter Band.
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geschleift und öffentlich unter Jubel verbrannt worden, und ob-wohl Villa ni hievon schweigt, darf man cS doch glauben, daßein toller Pöbelhaufe dergleichen Unfug trieb, nicht blos denFrommen zum Aergerniß, sondern allen Vernünftigen zum Schre-cken. Vielleicht geschah dieses und anderes, was an Verrücktheitgränzte, als nächsten Sonnabend (23. April) wieder auf demPlatze von St. Peter Parlament war, bei dem es sehr leiden-schaftlich zuging. Ludwig griff nicht selbstthätig ein und schiennur Volk und Klerus, Senatoren und Tribune gewähren lassenzu wollen; auch wurde ihm sicherlich wider Willen manches ab-gedrungcn, z. B. die Satzung dat. npuä 8t. petrum 23. April1328, daß der Papst in Rom wohnen müsse und sich nicht überzwei Tagreisen weit ohne Erlaubniß des römischen Klerus undVolkes entfernen dürfe; würde er sich entfernen und nach dreiMahnungen nicht heimkehren, so sei er ipso kncto abgesetzt.Bald darauf, am 12. Mai, erfolgte die Wahl des neuen Papstes;man hatte dazu den Minoriten Pietro Rainaldueci, gebür-tig aus Corvara in den Abruzzcn und bisher apostolischen Pöni-tcntiar, ersehen, der nach langem Sträuben eingewilligt hatte,bei einhelliger Wahl die päpstliche Würde anzunehmen. „Zuersthielt der genannte Augustiner Nieola daFabriano eine Redeoder Predigt über den Text Apostelgeschichte 12, 11 ; natürlichgewahrte er in Ludwig den rettenden Engel und in Jo-hann XXII den das Kirchenoberbaupt einkerkernden Herodes.Hierauf trat Jakob, der Bischof von Venedig oder Cittü Castel-ana vor, erklärte dem Volke, daß der Kaiser und Fürsten undHerren mit der Geistlichkeit die Augen einmüthig auf den vor-trefflichen Diener GotteS und apostolischen Pönitenüar, den demü-thigen Frate Picro gerichtet und ihn der Tiare würdig erkannthätten; aber nun solle auch das gesammte römische Volk wie vorAlters seine Meinung äußern, denn >ox populi, vvx vei! Nachdreimaligem Aufrufe erfolgte ohne Widerrede dreimalige Zustim-mung, und der neue Papst war fertig. Die große Mehrzahl derhöher» Geistlichen hatte sich, wie schon erwähnt, aus Rom ent-fernt oder sonst versteckt, doch scheint die Versammlung, welchejedenfalls sehr zahlreich war, auch viele Weltpriester und Mönchegezählt zu haben. Der Kaiser erhob sich und stand, währendder Bischof daS Wahldekret ablas, eröffnete dann der Versamm-lung, daß der Gewählte sich NieolauS V nennen wolle, steckteihm unter dem Jubelruf der Menge den Fischerring an den