439
verlassen und bald darauf sein Afterpapst/ worauf bald sein gan-zer Anhang ausgetricben und das Ansehen Johanns XXII,der nun seine 13. Sentenz gegen Ludwig erließ, in Rom wie-der hergestellt war. Der Letztgenannte dagegen ließ sich von denMinoriten zur Veranstaltung eines s. g. allgemeinen freien Con-zilS verleiten, konnte sich aber in Italien, hin und her getriebenvom Parteigetriebe, aus Geldnoth nicht behaupten, obgleich erjetzt, nach dem Beispiele früherer Kaiser, Herren und OrtschaftenRechte und Freiheiten verkaufte. Um Weihnachten war er wie-der in Trient. „Gerade vor elf Vierteljahren war er von daaufgebrochen nach Italien, nicht ohne Sorgen, das Waglicheseines Unternehmens war augenfällig genug; was ihn Widrigestraf, eS kam keineswegs ganz unerwartet. Sollte er den Römer-zug, das Holen der Kaiserkrone unterlassen haben? Wäre nurdas eben so unkluge als frevelhafte Aufstellen des GegenpapsteSin Rom unterblieben, so hätte er die Fahrt kaum zu bereuen ge-habt. Von der Staatsklugheit geboten war aber gewiß der Be-such Lombardicns und Tusciens und die Krönung in Mailand;nun konnte Niemand mehr sagen, daß Ludwig nicht alles Mög-liche gethan, um diese schönen, reichen, wichtigen Landschaftenbei Deutschland zu erhalten; ihr Verlust gereichte nur jenenFürsten zum Vorwurf, die ihn ganz ohne Unterstützung gelassen,obwohl sie vorher, namentlich die Luxemburger, immer von derNothwendigkeit geschwatzt, sich der wälschen Ghibellinen ernstlichanzunehmen. An Erfahrungen bereichert, mit dem Ruhme einesüberaus thätigen Herrschers und unüberwindlichen Kämpfers,durch die Titel: gekrönter römischer Kaiser und lombardischerKönig ausgezeichnet, und durchweg in Ansehen gewachsen, kehrteLudwig auf deutschen Boden zurück. Und das ist der letzteRömerzug, von dem die Weltgeschichte, die davon von Karl demGroßen zu erzählen anfängt, berichtet"*). In Deutschland wardLudwig verfolgt von dem päpstlichen Bannstrahle, obgleich derberühmte Occam in einem Werke über kirchliche und politischeMacht den Kaiser gegen den Papst vertheidigte; allein Niko-laus V unterwarf sich und Ludwig mußte Krieg führen mitOtto von Oesterreich, bis endlich ein Friede zu Hegenau(August 1330) zu Stande kam, wonach dem Herzoge einigeReichsstädte für die Kriegskosten verpfändet werden mußten.
) Damberger.
D. B.