Band 
Achter Band.
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zum Theil auch den Ketzereien der Fraticellen*) zu Grunde.Diese Sekte behauptete, die wahre Kirche sei untergegangen,nur unter den Franziskanern habe sie sich noch erhalten, der Papstaber sei der Antichrist; die Fratieellrn erklärten sich sür berufenzur Bekehrung der Sünder und breiteten sich darum vorzugsweiseim Orient aus, wo sie durch Lehre und Predigt gar viele derarglose» Gläubigen verführten. Ihr eifriger Vertreter warPeter Johann v. Oliva, dessen Schriften im Jahr 1326verbrannt wurden. Dessen Schüler, MarsiliuS (deRaymun.diniS) von Padua und Ubertino von Casale, flüchteten zuLudwig von Bayern, den sie in seinem Widerstände gegenden Papst bestärkten. Gegen die „Bruder der armen Leute",deren Haupt ein gewisser Angelo, ein unwissender Landmannaus dem Thale von Spolcto, war, richtete Johann XXH eineBannbulle und ließ ihnen den Prozeß machen. In gleicher Weiseverfuhr er gegen noch andere Sekten im Erzbisthum Prag undgegen die Waldenser, welche sich in Piemont erhalten hatten undnoch zahlreich genug waren, Versammlungen von 500 Menschenzu halten und den Inquisitoren offenen Widerstand zu leisten.

Eine im Jahr 1315 im Bisthum Paffau entdeckte zahlreicheSekte zeigte sich verwandt mit den Fraticellen. Sie behauptete,Lucifer und die Seinigen, die ungercchterweise aus dem Paradieseverjagt worden, würden einst dahin zurückkehren; wäre MariaJungfrau geblieben, so würde sie keinen Menschen, sondern einenEngel geboren haben; ferner verwarf sie die Sakramente undstellte auf, Gott habe keine Kenntniß von den hienicden began.genen Sünden oder wenigstens bestrafe er sie nicht. Sie sandtejährlich zwölf Apostel nach Jerusalem, um die dortigen Christenim Glauben zu stärken, und die zwei ersten dieser Apostel gingen— so ward von der Sekte behauptet — alle Jahre inS Paradies

") Die unter Vonifacius Vlll auftauchenden Fraticellen wurde» schreck-licher Frevel beschuldigt. Sie versammelten sich des Nachts, um Hym-nen zu singen; alsdann wurden die Lichter ausgelöscht und ihr Priesterrief im Ferialtone: Oreseite et nniltiplloamini. Darauf vermischten siesich, wie es der Zufall wollte; die Neugebornen warfen sie sich einanderzu, bis sie todt waren, und derjenige, in dessen Hand das Kind starb,ward znm Oberpriester gemacht. Die KindSieiche ward verbrannt unddie Asche mit dem Weine vermischt, von dem der Neophite trinken mußte.Es sind dies eben die gewöhnlichen Vergehen, welche man den geheimenSekten Schuld gab.