Band 
Achter Band.
JPEG-Download
 

555

aber derjenige/ welcher den gewaltigen Föhn in der Gegend derAxen kennen gelernt hat/ was die Sage weiter von dem kühnenTellensprung berichtet. Sein glückliches Entrinnen ist durch eineKapelle verewigt/ welche laut Erkenntniß einer Landsgemcinde1388 schon erbaut wurde/ und ein Jahr früher begannen diejährlich fortgesetzten Krcuzgänge zu den Kapellen in Steinen undBürgten/ wo Stauffachcrö und Teils Häuser gestanden*).Der entsprungene Schütze/ von Geß'lerö Rache für sich unddie Seinigcn das Entsetzlichste fürchtend/ erschoß den Tyrannenin der hohlen Gasse unweit Küßnach/ als dieser dem Schlosse zu-ritt. Die den Teil kannte«/ waren weit entfernt zu urtheilen/er habe daS Schreckliche aus Rachgicr vollbracht. Die Kapelleaber/ welche den Ort bezeichnet/ wo der tödtliche Schuß fiel/durfte jeden Wanderer erinnern/ wie Gott manchmal so Schauer-liches zuläßt/ weil es nimmermehr gut wäre/ wenn harte Drän-ger auf Erden nichts mehr zu fürchten hätten. Geßlerö Fallwar die Losung für die Männer vom Grütli/ an ihr versprochenesWerk zu gehen. In der NeujahrSnacht erstiegen Unterwaldner

') In der Chronik von Saro Grammaticns (gestorben ein Jahrhun-dert vor Wilhelm Teil) wird vom abenteuerlichen Helden Toeco— unter dem dänischen Könige Harald B laatand im 10. Jahrhun-dert lebend — eine Geschichte erzählt, von der man behauptet hat, stehabe die Veranlassung gegeben zu der Tradition vom Teil. Abgesehenaber davon, daß diese Tradition das uralte Gesammtzengniß eines ganzenBolkeS ist, ist auch jene dänische Sage in nichts verwandt mit der Ge-schichte vom Tell, als im Pseilschuß. Zuerst stellte jene Meinung aufder anonyme Verfasser der Schrift „üuillirums ll'sll, kable llanolse",Bern 1760, welcher in Contumaz zmn Tode verurtheilt und von mehre-ren Schriftstellern widerlegt wurde, namentlich von Balthasar znLuzern in der „Vertheidigung Willhelm Teils" und vom Sohne des be-rühmten Halter in der „Rede über Willhelm Tell". Der Verfasser jeneranonymen Schrift soll ll- Freudenberger, Prediger zu Ligcrz, gewe-sen sein. Später stellte man die Hypothese auf, die Schweizer seien ausSkandinavien eingewandert und hätten von dort jene Sage mitgebracht;jedenfalls aber müßte doch diese Einwanderung lange vor Toeco undHarald stattgefunden haben. Die Ansichten über diesen Punkt sind zu-sammengestellt und umcrsucht in L. Jdelcr, die Sage vom Schusse desTell, Berlin 1826, und L. Häusser, die Sage Vom Tell, Heidelberg1840. Daß nach dem Lnzerner Diebold Schilling es der Graf vonSeedorf gewesen, welcher das Ziel setzte, und daß der Name Geßlcrunter den Vögten von Küßnach sich nicht aufgeführt findet, sind Ein-wendungen, die nicht schwer ins Gewicht fallen.