Band 
Achter Band.
JPEG-Download
 

657

In Italien hatten die Bürger gestritten, um van dem erstenFriedrich ihre Unabhängigkeit zu erobern und gegen den zwei-ten ste zu vertheidigen; aber alö diese Kämpfe zu unabsehbarenParteifehdcn sich fortspanncn, oder von einem Herrn willkürlichhervorgerufen wurden aus lediglich selbstsüchtigen Zwecken, daführten die Bürger um so weniger bereitwillig das Schwert, alssie sich um so mehr an die Annehmlichkeiten eines friedlichen,durch die Kunst verschönten Lebens gewöhnt hatten. Nichts aberkonnte den Herren erwünschter sein, als solche Abneigung vorden Waffen, welche in den Händen des Bürgers zum Schutzmit-tel gegen die Vergewaltigung werden; gerne befreiten sie darumdenselben von dieser Last und verwandelten sie in einen Tribut,den sie zur Bezahlung von Söldnern verwandten. Venedig, wel-ches aus Argwohn seinen Großen den Kriegsbefehl niemals an-vertraute, bediente sich der Soldtruppen in allen seinen Kriegenauf dem Festlande; auch Florenz begnügte sich, trotz seiner demo-kratischen Verfassung, mit diesem Systeme, das seinen Bürgerngestattete, ungestört dem Handel, überhaupt der materiellen undgeistigen Thätigkeit ihre Kräfte zu widmen. Es fanden sich auchalsbald Leute, welche auf diese Stimmungen und Verhältnissespekulirten, Glückssoldaten, die ihr Blut dem Meistbietenden ver-kauften und Abenteurer, die sie in Dienst nahmen und ihr Ban«ncr da entfalteten, wo ihnen Lies den meisten Nutzen versprach;dieses neu aufkommende Kriegergcschlecht, bekannt unter dem Na-men der Condottieri, spielt eine wichtige Rolle nicht blos in denKriegen, sondern auch in den politischen Ereignissen dieserPeriode.

Von den vielen Söldnern, die mit Heinrich VII, Fried-rich v. Oesterreich, Ludwig v. Bayern- dem Herzoge v. Körn-chen und dem Könige v. Böhmen nach Italien gekommen waren,kehrten nur wenige in ihr Vaterland zurück; sie zogen es vor,in die Dienste der italienischen Großen überzugehen, welche ihrer-seits ihren Vortheil dabei fanden, sich dieser Leute zu bedie-nen, die den inneren Partciungen ferne standen, Vaterlandsliebenicht kannten und durch Menschlichkeit sich eben nicht auszeich-neten. Sie bildeten jedoch noch keine eigentlichen Banden oderRotten, und die älteste derselben war die der Almogavaren, derenAbenteuer in Sicilien und im Morgenland wir kennen lernten*).

") S. oben Kap- H.

Cantu, Weltgeschichte. VIII.

42