758
überschwemmte die Stadt mit Feuer und Blut. Seine NeffenRiario und della Rovere bedachte er in ganz maßloser Weisemit Pfründen, BiSthümern, Fürstenthümern, Würden und Stel-len; ein anderer Nepote, der mit 17 Jahren zum Cardinal er,nannte Raphaele Sansoni, führte ein Gefolge von 16 Bischöfennach, und Pietro Riario, trotz seiner Unfähigkeit Legat fürganz Italien, hatte eine Hofhaltung von mehr als 500 Personen.Dem Girolamo Riario verlieh er die Signoria von Imolaund gedachte ihm in der Romagna noch ein größeres Fürstcnthumzu gründen, aber da die Mcdiei diesen Plan durchkreuzten, be-theiligte er sich an der Verschwörung der Pazzi und bestraftedann Lorenzo mir dem Bann dafür, daß er sich nicht hatteermorden lassen. Den Venetianern schmeichelte er, so lange erhoffte, sie würden sich zu Werkzeugen seines schmählichen Nepo-tiömuS hergeben, und ließ sie dann im Stich, um sich mit demKönige von Neapel und dem Herzoge von Ferrara zu verbinden,die daö noch überdem mit dem Interdikt belegte Venedig bekrieg-ten. Dieses aber zitirte ohne Rücksicht auf die verhängten Cen-suren den Papst vor das zukünftige Conzil und erlangte dann imFrieden von Bagnolo die Verlornen Gebiete und die SchifffahrcS-rechte auf dem Po wieder, außerdem als neuen Erwerb die Halb.insel Polesine di Rovigo. ES meint zwar Machiavel, daß»diese ehrgeizige Handlungsweise ihn höher gestellt in der Ach.tung der italienischen Fürsten, von denen jeder ihn zum Freundzu gewinnen suchte:" aber die Wahrheit ist, daß sein schamloserNepotismus die Kirche beschimpfte und der mit den Censurengetriebene Mißbrauch die Furcht vor denselben schwinden machte,so wie denn auch Ludwig XI dem Papste stolz gebieten ließ,die gegen Florenz erlassenen Censuren zurückzunehmen und eineKirchenversammlung zu berufen.
Kaum hatte Sixtus IV in völliger Verbitterung durch daöMißlingen aller seiner Entwürfe den letzten Seufzer ausgehaucht,alS der Palast feiner Neffen in einen Schutthaufen verwandelt,das von ihm aufgespeicherte Getreide geraubt wurde, die von ihmverfolgten Colonna wieder in Rom einzogen und sich da mit ge.zogenem Schwerte behaupteten. Die Cardinäle suchten weiter»Unordnungen und Mißbräuchen durch abermalige Aufstellung einerWahlkapitulation vorzubeugen, statt solcher stets umgangener Aus-kunftsmittel wäre aber eine sorgfältig getroffene Wahl weit eheram Platze gewesen.