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und dergleichen, auch die häßlichsten, nachzuahmen, bis zur Ver-wischung der nationalen Trachten und sich gegenseitig in Neue-rungen zu überbieten, in starken Farben schildern; namentlichklagt Petrarca darüber. Und in der That, diese Schilderun-gen der Toilette und des Benehmens der damaligen feinen Weltim gebildetsten Lande Europa's, diese Beschreibungen der wechsel-vollen Frauenmoden und der Neuerungen in der Männertrachtzeigen unS schlagend, daß die Modethorheit nicht etwa — wieViele zu glauben geneigt sind — eine neue, sondern eine alteErscheinung in der Kulturgeschichte ist.
Dante (I>r»rnä., XV) rügt, daß eS zu seiner Zeit keineGränzen mehr gab sowohl für die Periode der Vcrheirathung derTöchter, wie für die Höhe ihrer Ausstattung. Bezüglich dieserStelle sagt Benv enuto da Jmola, ein sehr wohlhabenderVater habe ehedem seiner Tochter 2- bis 300 Florenen mitge-geben, nun aber müsse er 1500 bis 2000 Florenen ausgeben, dieMädchen seien mit 20 oder 25 Jahren verheirathet worden, jetzterhielten ste mit 12 und 15 Jahren Männer. Auch Landolfoder Aeltere versichert, im Anfange des 13. Jahrhunderts habeman sich nicht vor dem 30. Lebensjahre vermählt, später aberänderte sich dies dermaßen, daß die Satzungen von Mailand Ver-lobungen zwischen Kindern unter sieben Jahren für unzulässigerklärten*).
Da man übrigens nach den Frauen sehr wohl die Sitteneiner Epoche beurtheilen kann, erwähnen wir der Ma rzia degliUbaldini, welche, von ihrem Gemahle FranccSco degliOrdelaffi mit der Vertheidigung von Forli betraut, dieseStadt hielt gegen das Schwert des äußern Feindes und den Ver-rath im Innern, als Statthalterin und Heersührerin allen An-strengungen des Kriegsdienstes sich in erster Reihe aussetzte, dieBreschen mannhaft vertheidigte und nicht eher als bis alle Hoff.nung auf Ersatz entschwunden war, sich zur Uebergabe der ineinen Schutthaufen verwandelten Beste entschloß; für ihre Sol-daten erlangte sie ehrenvolle Bedingungen, ihr selber aber genügteder Schutz, den die Hochherzigkeit auch Seitens des Feindeserwarten darf. — Gefeiert in der Dichtung und Volkösage istauch Bianca de Rossi, Gattin deS Giovan Battista
*) II, o. 36. Eine Constüution der Synode von Nimes (1690) erklärt,Mädchen seien vor dem zwölften Jahre nicht mannbar.