789
Franzosen nachahmten* *). Einige strenge Moralisten erblicktenauch in dieser Einrichtung einen Wucher im Widerspruch mitdem vom Evangelium empfohlenen Darlehen ohne Hoffnung;aber der unleugbare Nutzen solcher in gehöriger Weise geleitetenAnstalten machte/ daß sie sich erhielten und immer weiter per.breiteten.
Der Handel wurde übrigens nicht so ganz friedlich betriebe»/und jedes Kauffahrerschiff mußte auch wohlverschen mit Waffensein. Zu Genua wurde der Kaufmann, der ohne gute Waffenfür sich und seine Diener und ohne 50 Pfeile im Köcher aufReisen ging/ um 10 LivrcS gebüßt. Zu Venedig mußte jederSeemann mir ledernem oder eisernem Helm, Schild, Messer,Schwert und drei Lanzen versehen sein; bezog er über 40 LireLohn, so mußte er auch einen Panzer haben, der Steuermannzudem eine Armbrust und 100 Pfeile; darum pflegten auch dieItaliener in fernen Ländern die Parteikämpfc der Heimarh fort-zusetzen und die Gesellschaften für den Landhandel sorgten selbst,ständig für ihre Sicherheit, ja führten Kriege auf eigene Faust.So war Alberto Scotts, der Tyrann von Piacenza, Ober-haupt einer große» „Compagnie der Scotti", welche im Jahr 1299mit den Agenten deS Königs von Frankreich auf den Messen derChampagne handelte und bald darauf mit 400 Pferden und 1500Mann zu Fuß in den Diensten dieses Königs sich schlug**).
Der Handel im Großen blieb fortan auf Venedig und Genuabeschränkt. Pisa erholte sich nicht wieder von der Niederlageder Meloria und dem Verluste von Sardinien, Griechenland warniedergeworfen unter dem türkischen Krummsäbel, und Schiffedes Nordens erschienen nur selten in südlichen Häfen. Neapelund Sicilien bedurften einer Flotte, um ihre Verbindungen mitAragonien und der Provence zu unterhalten, und doch bedientensie sich beständig der genuesischen, waö auch Frankreich und Eng.land thaten.
') Wir brauchen wohl nicht daran zn erinnern, daß die in vielen GegendenDeutschlands noch übliche Bezeichnung Lombard für Leihhaus den italie-nischen Ursprung dieser Anstalten bezeichnet.
*) koxxiall, 8t. öi piancenra. IV VI p. 31. 'lUxrimi, Vit. äi
Oastruveio.