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wußte, daß seine Briefe durch viele Hände gingen, ja oft vonHunderten gelesen wurden, ehe sie an ihre Adresse gelangten,spricht er sich auS über Ereignisse, Sitten, eigene Obliegenheiten,die Unordnungen am päpstlichen Hofe und gewisse Schwächen seinerZeit, an denen auch die unsere krankt. Bald tadelt er die „mo-dernen Philosophen", für die cS keinen Erfolg zu geben scheine,wenn sie nicht Christum und seine Lehre anbellen*); nur durchdie Furcht vor zeitlichen Strafen werden sie abgehalten, denGlauben anzugreifen, aber im Geheimen machen sie sich darüberlustig, deren Aristoteles an, ohne ihn zu verstehen, und bei ihrengelehrten Streitigkeiten beginnen sie mit der Erklärung, daß sievom Glauben abstrahiren. Bald bindet er mit denjenigen an, „diesich für Anhänger der Wissenschaften ausgeben, sich aber dabeinur dem allgemeinen Spotte aussetzen, indem sie jene ewige Eigen-schaft der Unwissenden, die maßlose Eitelkeit, zur Schau tragen."Bald schildert er Solche, welche, indem sie sich Italiener undItalien ihr Geburtsland nennen, alles aufbieten, um alS Bar-baren zu erscheinen; und als wenn eö jenen Unglücklichen nichtgenügte, durch eigene Trägheit die Tugend, den Ruhm, dieKünste deS Kriegs und FriedrnS, welche unsre Väter göttlichmachten, verloren zu haben, beschmutzen sie auch noch unsre Spracheund verderbe» sogar unsre Tracht**).
ES ist interessant, ihm vermittelst dieser Briefe auf seinenReisen nach den „Städten der Barbaren" zu folgen, Leren Sittenund Gebräuche er etwas oberflächlich schildert. Seine Stimmungbeim Betreten von Paris vergleicht er der deS ApulejuS, alsdieser zum Erstenmale die thcssalische Stadt Hypathos sah, vonder er Wunderdinge gehört. Er findet PariS wohl wahrhaft groß-artig, aber doch minder so als er erwartet hatte, dabei schmutzigerund übelriechender als irgend eine Stadt, Avignon ausgenommen.Ueber die Universität stellt er lange Untersuchungen an und ver-gleicht sie endlich „einem Korbe, in welchem man die seltenstenFrüchte eines jeden Landes zusammengebracht hat". Die Fran-zosen findet er heitern Wesens, gesellig, leicht und srisch im Um-gang, angenehm alS Tischgenossen, jeden Anlaß zur Unterhaltunggern ergreifend und jede Sorge bannend mit Spielen, Singen,Lachen, Essen und Trinken, keck und stets rauflustig, aber weichlich
*) Seniles. 3.
Seniles, 6.
La n tu, Weltgeschichte. VIU,
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