Band 
Achter Band.
JPEG-Download
 

906

des PhilelphoS Glauben zu schenke«/ daß das Volk zu Konstan-linopel noch die Sprache des Aristophanes und EuripideS redete,in den Kreisen der vornehmen Damen und Gelehrten die derGeschichtschreiber und Redner herrschte*). Jedenfalls hatte sichdie Aussprache verderbt; er selbst fand im PcloponncS eine „enk-artete, nichts mit der ursprünglichen und beredten Sprache desalten Griechenlands gemcinhabcndc" Redeweise. Zudem bemerktColuc cio Salutati**), Plutarch sei aus dem Altgrichischenin die neue Mundart übersetzt worden. Dessen ungeachtet istnicht zu verkennen, mit welch großem Nutzen die noch lebendegriechische Sprache auf die Erklärung der Klassiker angewendetwerden konnte, um so eher, da der Klerus, der nicht wie im fcu-dalcn Abendlande durch Staatsangelegenheiten oder Fehden inAnspruch genommen wurde, seine Muße den litterarischen Studienzuwenden konnte und die im Orient aufgeworfenen subtilen thco-logischen Streitfragen dazu führten, auf Sinn und Werth derWorte sorgsam zu achten. Und gerade mit diesen beschäftigtensich auch die Griechen, ob Kleriker, ob Laien, ausschließlich. DieSchulstrcitigkciten lenkten die Aufmerksamkeit ab von den profanenAutoren und so gingen vielleicht in dieser Periode die dorischenund aeolischcn Lyriker verloren, weil sie für die Abschreiber un-verständlich geworden. Ueberhaupt betrachteten diese griechischenGelehrten die klassische Literatur alS eine todte Wissenschaft, unddieselbe trieb erst wieder Blüthen, nachdem sie auf italienischenBoden verpflanzt worden.

Hier hatte sich die Kenntniß dcS Griechischen, wenn auch zu-nächst nur im geschlossenen Kreise der Basiliancrmönche und vorzugS-weise als Kirchensprache, immerhin erhalten, und man hatte ihmaus freien Stücken eine erneuerte Aufmerksamkeit zugewandt,alS von einer Vereinigung der orientalischen mit der römischenKirche die Rede war. Der bei diesem Anlaß als Gesandter vonKonstantinopcl nach Italien kommende (1339) Calabrcse Bar-laam, ein Mönch vom Berge Athos und ein HauptbefördererLeö griechischen Schisma, machte, übrigens ohne sonderlichen Er-folg, Petrarca mit dieser Sprache bekannt. Leontius Pi-

*) Cp, v. 1451.

<-») Mshus, p- 204. Du Cange fand in der Pariser Bibliothek eineHandschrift des 13. Jahrhunderls, welche der älieste Versuch im modernenGriechisch zn sein scheine.