Band 
Achter Band.
JPEG-Download
 

919

gleiten. Von den Medici brauchen wir nichts mehr zu sagen,auch haben wir bereits genug von Nikolaus V und Eugen IVgesprochen.

Zu ihrer Zeit wurden den Gelehrten um die Wette die Ge-halte vergrößert, Ehren erwiesen und Gesandtschaften anvertraut;ihr Durchzug durch die Städte glich einem Triumphzuge; ibreLeichenbegängnisse beehrten Fürsten mit ihrer Gegenwart. K a rlIVgab dem Rechtsgelehrten Bartolo die Erlaubniß, das böhmischeWappen in sein Siegel aufzunehmen; Bartolo behauptete, einDoktor, welcher zehn Jahre daS Eivilrecht dozirt habe, sei ipsvtÄeto Ritter. Von Petra rea's Triumphen und daß er Rath-geber bei Fürsten und Päpsten gewesen, haben wir schon erzählt.Galeazzo Visconti pflegte zu sagen, daß ihm ein Brief desColuccio Salutati mehr Furcht mache als 1000 florentinischeRitter. Alle nahmen Antheil an dem Ruhme und den Streitig-keilen der Gelehrten. Die Entdeckung einer Handschrift war einLärm machendes Ereigniß, und in Wahrheit, wie groß muß nichtdaS Vergnügen gewesen sein, das sie beim Lesen der Klassikerempfunden, bevor ihnen der Widerwille dagegen in den Schulenvon Jugend auf eingeflößt war? Dante wurde auf Lehrstühlen,zuletzt gar in der Kirche erklärt. Von den Briefen aus jenerZeit verhalten sich die meisten über Wiederauffindung der Hand-schriften. Der Herzog von Glocestcr dankte Dccembriohöchst verbindlich für eine ihm zugesandte Ucbersctzung der „Re-xublik" Plato'S. Die Misccllanea des Polizian wurden wieein Messias erwartet und kaum erschienen verschlungen. WennNeid oder Faktionen einen Gelehrten vertreiben, so kann er ver-sichert sein, daß er überall, wo er erscheint, wenn er auch nichtsbesitzt als sein Verdienst, Gehalt und Ehrenbezeugungen findet.Als der Nechtsgelehrte Giovanni da Legnano starb, wurdenalle Buden geschlossen. Wenn Unico Ascolti Verse rezitirte,feierte man in der ganzen Sradt und illuminirte die Häuser;Gelehrte und Prälaten unterbrachen seinen Vertrag mit Beifall,geklatsch. Zuletzt sollte gar die Entdeckung der neuen Welt aufden Glauben an die Gelehrsamkeit hin bewerkstelligt worden sein.Kurz das Studium war für die Gelehrten nicht eine Erholung,sondern ihr Leben, nicht Mittel, sondern Zweck. Der Reiz dcSAlterthums erstickte allen Unterschied der Meinungen, der Reli-gion und des Alters. Der Enthusiasmus erstreckte sich bis überdie Kritik: Glücklich, wer einen verderbten Text hergestellt oder