955
Wendung deS Quecksilbers ein so großer Mißbrauch getrieben/daß dieses Heilmittel sich gefährlicher erwies alS die Krankheitselber*).
Juristen.
Petrarca war den Aerzten/ noch mehr aber den Juristenabhold/ deren Schulen er verließ/ weil/ sagte er/ „die Schlechtig-keit der Menschen die Anwendung der Wissenschaft vom Rechteverderbt habe. Darum konnte ich es nicht ertragen/ eine Wis-senschaft zu erlernen / die ich auf eine schimpfliche Weise nichtausüben möchte und in einer rechtschaffenen Weise wäre eS mirkaum gestattet gewesen; hätte ich dies unternommen/ dann wäremeine Ehrlichkeit für Unwissenheil angesehen worden*)." Ueber-haupt machte er wiederholt Ausfälle auf die Arglisten/ sowie aufden harten und barbarischen Styl der Rcchtsgelehrten Dessenungeachtet hatte er den größten Canonisten seiner Zeit/ den Flo-rentiner oder Bolognesen Giov. di Andrea zum Freunde/dessen beide Töchter/ Novella und Bettina/ gleichfalls cano-nischeS Recht vortrugen. Sein Schüler/ Paolo di Liazari/bildete den Giovanni da Legnanv/ der so hohen Ruhm er-langte/ daß bei seinem Tode alle Kaufläden geschlossen wurden.— Andrea d'Jsernea wurde der Evangelist deö LehnrechtS ge-nannt und König Robert nahm ihn mit an den päpstlichen Hofnach Avignon / um daselbst seine Anrechte auf den Thron vonNeapel zu vertheidigen. Indem er vortrug, baß Friedrich IIgewisse neue Auflagen erhoben habe/ ohne der Kirche ein Drilt«theil davon zukommen zu lassen/ bemerkte er/ die Seele diesesFürsten royuioscit in jiiea et n»n in puco. Er ward von einem
") Ueber die frühe Anwendung des Quecksilbers, sowie vieles über dieLustsenche überhaupt siehe bei Möhsen, S. 368—71. — Joh. Agri-eola (Sprichwörter, EiSleben, 1529, II) sagt: „Da Kaiser Maximi-lian kriegete mir Ludovico Gibboso, König in Frankreich und mitden Venedigcrn (1498), brachten die Unsern diese „Plattern" auSLom-bardien in deutsche Land, davon sie noch heutigen Tags die Franzosenheißen. Die Aerzte, so bei uns sind, wissen derselbigen Krankheit keinenNamen zu geben, wissen auch kein Kraut dafür, allein das Quecksilber,damit sie der Kranken Glieder schmieren."
D. B.
") Lp. erä xoskeio«.