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Achter Band.
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meln, nachsteht; ihre durchweg rohen Stücke enthalten übrigensneben derben Unzüchtigkeiten nicht selten treffende Witze undglückliche Gedanken. In Nürnberg besonders, im 15. Jahrhun-dert durch die Blüthe seines Handels und die Wohlhabenheitseiner Bürger ein Sitz der Künste, erhielt überhaupt das Fast.nachtsspiel eine vollständige Organisation in einer förmlichen,aus Mitgliedern der verschiedensten Gewerke gebildeten Zunft,die Anfangs sicher aus dem Stegreife mit vorheriger Feststellungdes allgemeinen Planes spielten. Indeß blieben auch Uebertra.gungen älterer und jüngerer lateinischer Dramen auf die Enk-Wicklung deS deutschen Drama nicht ohne Einfluß und nament-lich versuchte man sich an Plautus und Tercnz. So entstand dieneue Gattung der Schulkomödie neben der Volkskomö-die*). Was die Mysterien anbelangt, um auch auf diese noch

*) „Der Eifer, mit welchem man sich in dieser Epoche den Studien derneubeleblen griechischen und römischen Klassiker ergab, führte die Sitteein, die auswendig gelernten Stücke des Tercnz von den Schülern ziti-ren zu lassen. Bald erwachte die Lust in den berühmtesten Gelehrten,sich in lateinischen Nachbildungen der Alten zu versuchen und diese zusprachlicher Uebung auf Schulen und Universitäten zur Fastnachts- undJohanniszeit ausführen zu lassen. Namen, wie Reuchlin, Fischlin,Celtes u. A., machlen die Nacheiferung auf diesem Gebiete rühmlich,aber die Darstellung dieser gelehrten Stücke mußte nothwendig zur Leb-losigkeit frühester Mysterien zurückführen. Das Wort, nicht seinem Zu-halte, sondern seiner Form, der Sprachform eines untergegangenen Volkesnach, war hier die Hauptsache. Erst als im Anfange des 16. Jahrhun-derts die große reformatorische Bewegung die Gelehrten veranlaßte, sichdes Schuldrama's als Kampfplatz für den dogmatischen Streit zu bemäch-tigen, fing man an, den lateinischen Tert, wie in den Mysterien, deutschzu paraphrasiren, um die Zuhörer und Leser unmittelbar für die ausge-sprochene Meinung zu gewinnen. Die Gelehrsamkeit wurde nun dergelehrten Streitsucht nachgesetzt. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts,als die geistlichen Spiele ihren Höhepunkt erreicht, die Schulkomödienihren Anfang genommen hatten, war das volksthümliche Drama zu derSelbständigkeit gereift, welche ihm von nun an den Vortritt in dem Ent-wicklungsgänge zu nehmen erlaubte. In dieser Weise wurde das Fast-nachtsspiel durch die Gedichte des Bruders Hans Bolz und des PeterProbst fortgenährt, bis dasselbe, wie das Volksdrama überhaupt, durchden berühmten Schuster Hans Sachs volle Ausdehnung und Begrün-dung erhielt. In diesem ehrenfesten Meister vollendet sich der Fortschrittdes Drama's von der religiösen Anschauung und moralischen Betrach-tung bis znr sittlichen That, wenigstens der Bedeutung nach, denn die