1021
den Schmuck der Bilder und der Beredsamkeit verschmähend/der Ton ein treuherziger/ naiver.
Holland/ an und für sich wenig poetisch, begnügte sichmit der Nachahmung der Literaturen der beiden Völker, zwischendenen es liegt. Die Rittcrgedichtc, die Romane Frankreichs undEnglands wurden übersetzt, gelungener aber geschichtliche undreligiöse Werke. UcbrigenS brachten doch die Holländer eineEpopöe über die Paladine hervor.
Nordische Literatur.
Die Poesie der Skalden, welche wir bereits kennen gelernt,übte fortwährend auf die anderen Dichtungen des Nordens einengroßen Einfluß aus; aber sie selber verwandelte sich in Ritter-dichtung oder löste sich in Volkslieder auf, wie in Skandina-vicn und in England, biö endlich die Kirchenspaltung eine»unheilbaren Riß machte zwischen der Gegenwart und der Vergan-genheit.
Die Schweden, die sich zumeiii einer fremden Sprache be-dienten, konnten sich literarisch nicht besonders hervorthun. DieDänen liebten vorzugsweise deutsche Formen. Indessen, wieSpanien, durch seine geographische Lage von Europa abgeschie-den, behielt Skandinavien bis zur Reformation seinen ihm eigen-thümlichen politischen und geistigen Charakter.
Schon früher konnte Rußland durch den hoch anzuschlagen,den Besitz einer nationalen Geschichte einen Beweis der Gesittungliefern, aber als eine griechische nach Form und Wesen blieb siefür den Fortschritt deS Abendlandes verschlossen, und der Einfallder Mongolen schnitt dann auch die Ueberlieferung dieser Kul-tur ab.
Die Madjaren besaßen von Alters her ihnen eigenthüm-liche Heldenepen, welche Attila oder die durch die sieben Häupt-linge vollbrachte Eroberung UngarnS feierten; und vielleicht bil-den diese heidnischen Ueberlieferungen den Grundstoff der natio-nalen Urgeschichte, für welche die Chronik des Schreibers vonKönig Bela die Quelle. Die Literatur verlor ihr eigenthümli-ches Gepräge unter Matthias CorvinuS, der sie italienischoder lateinisch gestalten wollte. Als aber dann die Türken kamen,ging die ganze geistige Kulrer unter ihren Fußtritten zu Grunde.