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Art gezeichnet hatte... Bruchstücke von Kapitalem, Säulen, Kar-niesten"*). Er berechnete aufs Neue die Kräfte, die Materialienund dergl., bis er sich einen genauen Begriff der Construktions«
") Vasari.
Todte belebt wird. Da aber die Architektur ihre Gränzen nicht über-schreiten und in die Skulptur übergehen darf. versteht es sich von selbst,daß sie ein bestimmtes Maß von Belebung einhalten muß. Wollte sienämlich ihren geometrischen Charakter ausgeben und sich ganz in dasPstanzcnartige auflösen, so würde sie zur Karikatur. Dem nüchternenSinn und guten Geschmack gefällt die spanisch maurische Architektur,theils die englische, wie z. B. das Innere der Kapelle Heinrichs VIHin der Westminsterabtei zu London und der flämische Styl in einigenfranzösischen und niederländischen Kirchen nicht. Der nüchterne Sinnder Deutschen hat hierin das rechte Maß nicht überschritten. — Dasdritte und höchste Stadium, welches die Architektur erreicht hat, ist dieGothik. Die ästhetische Schönheit des gothischen Domes tritt uns zu-nächst in seinem Aeußern entgegen, weil dieses ganz frei ist von gemei-ner Nützlichkeit. In dem Aeußern desselben gibt die Architektur auchihr Bewußtsein und Gefühl einer freien und edlen Kunst zu erkennen.Betrachten wir das Aeußere im Allgemeinen, so haben wir ein Gebäudevor Augen, das durch Gruppirung mehrerer Gebäude entstanden ist,das stch aber hauptsächlich dadurch von dem romanischen Bau unter-scheidet, daß jeder einzelne Theil wieder gruppirt oder mannigfaltig ge-gliedert ist. Dies ist auch die Ursache, warum der gothische Dom einenandern Eindruck als der romanische macht, indem wir an diesem nocheine strenge Gesetzlichkeit, Abgeschlossenheit und Ruhe, massenhafteMauern und flache Wände wahrnehmen, während wir dort eine freieBewegung nach oben bemerken, die nicht abgeschlossen nnd fertig ist, sovielerlei leichte Bildungen, daß die schwere Steinmasse aus den Augenverschwindet. Der äußere Anblick läßt uns hier lauter schlanke, freiaufwärts strebende Theile sehen, die sich wie ein Halm oder eine Pflanzevielfach gliedern, aufwärts sich verjüngen und pflanzenartig sich ab-schließen. Dies ist auch die Ursache, warum wir dieser Architektur denVorzug geben, und sie ihrer Idee nach als die vollkommenste bezeich-nen. Das Aeußere des gothischen Domes ist für sich eine ästhetischeSchönheit, nicht nnr, weil es die organische Einheit verschiedener Theiledarstellt, sondern auch weil es aus der Natur des Innern herausge-wachsen und ein entsprechender Ausdruck des Innern ist und keinenandern Zweck hat, als dieses zu sein. Der gothische Tempel weicht da-her von dem griechischen ab, weil dieser die innere Bildung vernach-lässigte, wenn er auch hinsichtlich der architektonischen Verzierung desAeußern mit demselben übereinstimmt. Betrachten wir das Aeußere, sostellt uuS der gothische Dom nach allen Seiten eine architektonischeSchönheit dar — besonders aber aus seiner Facade, in seiner Seiten-