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zu unternehmen gewagt hatte, nämlich das WerkArnolfo's zubeenden und der Kirche Santa Maria del Fiore eine Kuppelaufzusetzen. Zu dem Behufe hatten die Florentiner sich an alle
keil wir doch in dem gothischen Bau das Bestreben, dem Ganzen so-wie allen Theilen eine aufwärts strebende Richtung zu geben oder dashorizontale durch das vertikale Element auszugleichen. Dieses Strebenist auch der Grund, warum uns gothische Kirchen höher und schlankererscheinen als romanische, die dieselbe Höhe haben. Durch die Gestal-tung des Innern in der Weise, daß alle Theile eine schlanke auswärtsstrebende Richtung erhielten, hat die gothische Architektur die romanischeweil übertreffen. Mit der Anwendung des Spitzbogens verschwand dasSchwerfällige, Massenhafte und Plumpe des Innern und es wurdefrei, leicht und lustig. Wir können es nicht unterlassen, noch zu be-merken, daß die gothische Architektur ein entsprechender Ausdruck deswissenschaftliche», politischen und kirchlich-religiösen Lebens des Mittel-alters ist. Wie die Wissenschaft des MittclalterS ei» System von fest-gestellten Begriffe» und Sätzen ist, von welchen jeder eine gewisseSelbständigkeit hat, so hat die gothische Architektur den überliefertengeometrischen Begriff des Kirchengebäudes in seine Theile ausgelost,jeden Theil besonders behandelt, gegliedert und belebt und aus all die-sen Theilen ein systematisches Ganzes gebildet. Die Gothik ist auchein konkreter Ausdruck des politischen Lebens im Mittelalter. Die Ge-sellschaft stand aus einem breiten Boden, auf der Verfassung des deut-schen Reiches nud hatte unter den Gesetzen noch eine freie Bewegung.Auf dieser Grundlage gliederte sich die Gesellschaft durch das Lehen-und Zunftwesen, gestaltete sich zu verschiedenen einander untergeordnetenStänden, und bildete einen wohlgeordneten freien Organismus. Die-sen, Zustande gibt der gothische Tom einen entsprechenden Ausdruck,da er aus lauter frei aufwärts sich bewegenden Gliedern besteht, diesich zu einem organischen Ganzen verbinden. Wie die Gesammtheitsich in einzelne Glieder auflöst und nur in diesen besteht, so geht derganze gothische Bau iu einzelne Theile auseinander und wird doch nurdurch diese eonstitnirt. — Der gothische Dom ist auch ein Reprcscntantdes religiös-sittlichen Lebens im Mittelalter. Das sittliche Leben desMittelalters berührte auf einem festen Glauben, der die unverdorbenenGemüther tief begeisterte und zu kräftigem Streben nach dem Höherenantrieb, anderseits aber auch der Grund demüthiger Unterwerfung untereine höhere Ordnung war. Wie der Glaube in den, Glauben derAutorität, wurzelt der gothische Bau aus geometrischer Grundlage, schießtaber empor wie die Begeisterung in üppigem Wachsthum, und esschließt sich ein Glied wie Epheu au das andere an und ranket aus-wärts. Wie die Knust überhaupt ein Zeugniß von dem intellektuellen,politischen und religiös-moralischen Zustande eines Volkes ist, so gibtbesonders die gothische Architektur als die auögcbildetste Kunst des Mit-