Band 
Achter Band.
JPEG-Download
 

1060

deutschen Plastik. Bis in das 15. Jahrhundert herein bemerkenwir noch den Einfluß des byzantinischen Kunststyls an vielen pla.stischen Werken, nämlich längliche Grsichtsbildung, magere Kör-pergcstalt, hart anliegende Arme und Hände, gerade herabhängendeund theilmeisc aufliegende Kleidung, steife und unbeholfene Hal.tiilig und Stellung des Leibes, mit einem Wort, einen Mangelan Naturwahrheit. Oft begegnen uns noch im Anfang dieserPeriode rohe Darstellungen. DaS ganze Streben der letzten Kunst.Periode dcS Mictelaltcrs war darauf gerichtet, das Rohe undStrenge der bisherigen Darstcllungsweise zu verdrängen und einefreiere und reichere Darstcllungsweise zu gewinnen, was auchim hohen Grade gelungen ist. Auf eine natürlichere und leben-digere Darstellungsweisc der Plastik war die gothische Architekturund später die Malerei nicht ohne merklichen Einfluß. Nachdemdie Architektur daS Starre und Steife der Bauformen überwun.den und ihre Gebilde in reicheren, der Pfianzenorganisation ent-sprechenden Linien hatte erscheinen lassen, wurde der Sinn fürdie alten starren Typen der Plastik geschwächt und man bestrebtesich, der Architektur hierin nachzufolgen und die Gestalten »atür.licher, reicher, voller und heiterer erscheinen zu lassen. Auch dieMalerei, welche durch die Eyck'sche Schule zu Anfang des15. Jahrhunderts eine höhere und bessere Richtung nahm. übteeinen nicht unbedeutenden Einfluß auf die Skulptur dieser Pe-riode, was wir besonders an den Werken des Friedrich He rlin,der zugleich Maler war und in der Eyck'sehen Schule gebildetwurde, wahrnehmen. Wie man in der Malerei nach größererNaturwahrheit strebte, die Gesichter und Geberden mehr zu indi.vidualisircn suchte, statt der geschwungenen Linien daS Gradlinigeliebte und eine fromme gemüthliche Auffassung vorherrschendwurde, so strebte'man auch in der Plastik nach größerer Voll-kommenheit. Die Plastik machte besonders durch die Maler großeFortschritte zum Bessern, welche zugleich Bildhauer waren. DiePlastik tritt auch in dieser Zeit in einzelne» Statuen, Reliefsund Gruppen auf. ES kommen sehr viele einzelne Figuren vor,allein diese haben selten eine abgesonderte Bedeutung und Selbst,ständigkcit. An dem Aeußcrn der gothischen Dome sehen wiröfter eine große Zahl von Statuen, allein diese vereinigen sichwie die architektonischen Theile des Gebäudes zu einem Ganzen.An den Portalen und überhaupt an den Fahnden stellen die ein-zelnen Figuren miteinander die Beziehung des alten Bundes zu