Band 
Achter Band.
JPEG-Download
 

1280

er Tagü über nur auf der nackten Erde sitzen, ;ur Nacht gabman ihm eine einfache Matte, von der er sich mehrere Male er-heben mußte, um zu beten, und wenn die ihn umgebenden Wächterihn eingeschlafen sahen, mußten sie ihn mit langen Dornen stechenund dabei sprechen: Du sollst nicht schlafen, sondern Sorge tragenfür deine Unterthanen. Du besteigst den Thron nicht um zuruhen; der Schlaf soll deine Augen fliehen, denn diese müssenstets geöffnet sein, um über das Wohl des Volkes zu wachen.Auf diese Bußübungen folgten glänzende Festlichkeiten und grän.zenlose Ehrenbezeugungen für den Gefeierten. Beim Antritt derKönigswürde zog der Fürst zuerst nach dem Tempel, wo diePriester eine Anrede an ihn hielten und ihn dann mit zweiMänteln bekleideten, von denen der eine himmelblau, der andereschwarz war und gestickt mit Todtenköpfen und Todtengebein,zur Erinnerung, daß er dem Tode verfallen sei wie alle Menschen.Hatte er sodann die Huldigungen und Ehrengaben der Häupt.linge empfangen, so wurde er in ein zum Tempclraum gehörigesGemach geführt, um vier Tage lang dem Gebete und Fasten ob.zuliegen. In einem der Staaten hatte er nachher sich unter daSVolk zu begeben, das in Worten und sogar in Handgreiflichkeitensich gegen ihn keinen Zwang aufzulegen brauchte, zur Erprobungseiner Geduld, denn er sollte alles ruhig ertragen, ohne auch nurden Kopf zu wenden. Einmal gekrönt, durfte dagegen Niemandwagen, ihm inS Antlitz zu blicke» und auf Verrath gegen ihnstand die furchtbarste Todesstrafe. Uebrigens bestanden die ge-bräuchlichen Anreden, welche die Priester und Großen an denKönig und an die Königin und die Frauen der Vornehmen beifeierlichen Anläßcn richteten, nicht in feigen Schmeicheleien,sondern in moralischen Ermahnungen*).

Unter der Suprematie deö OberkönigS (Kaisers) herrschtenviele Lehensfürsten, denen gewisse LchenSpflichten oblagen; einzelnedieser Fürsten oder Häuptlinge waren so mächtig, daß sie hundert-tausend Streiter inS Feld stellen konnten. Die vier vornehmstenunter denselben wählten den neuen Oberkönig (von Mexiko) auSder königlichen Familie.

Rechtsverfassung.

Oberster Richter war der König, wie überhaupt die bürger.liche und kriegerische Macht in seinen Händen lag, denn er war

*) Zurita theilt mehrere dieser Rede» mit.