Band 
Achter Band.
JPEG-Download
 

1361

sich ihrer, und es währte nicht lange, so konnten sie ihrem Su.perior melden, zweihundemausend Indianer seien bereit, die Taufezu empfangen. Spanien staunte, mit so von den seinen verschie-denen Mitteln diejenigen gezähmt zu sehen, die es auszurottennicht vermocht hatte, und der König verordnete, jene Völkerschaf-ten sollten nicht anders mehr dem Schwerte des Wortes gewon-nen und nicht zur Sklaverei gezwungen werden *).

Der Erfolg ermuthigte die Jesuiten, ihre Unternehmungenweiter auszudehnen; wohl gewahrten sie, daß sie ihre Pfleglingenicht fördern könnten auf dem Wege der Tugend und Reinheit,

Ein Missionär erfuhr — so schildert ein später noch zu erwähnendesSchriftchen von Bach in anschaulicher Weise das Verfahren der Jesuiten-rniffionäre — daß in einem gewissen Walde eine Horde wilder IndianerHause. Er nahm seine Alsorgas auf die Schulter, d. h. einen eigentlichfür das Reitpferd bestimmten Q-uersack, in welchem sich einige Lebens-rnittel, etwas Arznei, einige zu Geschenken dienende Kleinigkeiten, wieGlasperlen, Taschenuhren u, dgl. m., das Brevier und manchmal eineFlöte oder statt deren oben aufgebunden eine Geige befanden. Den Stockin der einen Hand, das Krnzifir in der andern haltend und damit alleinausgerüstet, ohne Feuergewehr, Schwert oder Dolch, marschirt der rüstigeStreiter Gottes in Wüsteneien, welche bis dahin noch kein Europäerbetreten hatte. Gewöhnlich machte er diese Wanderung allein, manchmalaber war er Von einem auf gleiche Weise ausgerüsteten Bruder Jesuitenbegleitet. Nach vielen Drangsalen traf er aus die Jndianerhorde, welch«gewöhnlich aus Menschen bestand, die von Tigern, Affen und Schlangensich nur durch die Gestalt unterschiede». Der Missionär hatte von die-sem Moment an eine der gefährlichsten und schwierigsten Aufgaben zulöse», betrat aber den so äußerst schlüpfrigen Weg als der kräftigste undgewandteste Fußgänger. Er war die Höflichkeit selbst, seine Gefichtszngedrückten die größte Freude aus, er machte tiefe und ehrfurchtsvolle Ver-beugungen, und wußte dabei mit dem den Jesuiten eigenen Scharfblickin kurzer Zeit die bei dieser Horde gebräuchlichen Höflichkeitsbezeuguugenzu erforschen. Mit eben demselben Scharfblick erkannte er bald diejeni-gen unter den Indianern, welche überwiegenden Einfluß auf die Hordehatten. Nun grüßte er nach einheimischer Sitte, schmückte Haupt undHals der Häuptlinge mit Glasperlen u. dgl., fing an mit den Kindernzu spielen und gab ihnen Einiges von seinen spärlichen Lebensmitteln,lachte, sang und ließ seine Flöte oder Geige ertönen. Manchmal warschon dieser Anfang seiner Wirksamkeit für den Missionär verderblich undseine Freundlichkeiten wurden mit dem Tode belohnt. Gewöhnlich jedochfand jenes Verfahren des Jesuiten eine günstige Aufnahme, und dannwar das Spiel schon halb, wenn nicht ganz gewonnen.

D. B.

Eanru, Weltgeschichte. VIII.

86