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gänzlich und niemals vielleicht erlebte die Welt einen geselligenZustand/ der im Ganzen von jeglicher Art von Lastern in diesemMaße srci gewesen wäre. Wo kein Standesunterschied herrschteund Geld durchaus keinen Werth hatte/ konnte die Eifersuchtnicht rege werden/ konnten Habsucht und Ehrgeiz nicht aufkom-men. Geistige Getränke / — der Fluch und Ruin deS Halbwil.den — waren als Gift allgemein verpönt/ während die frühzei-tigen Ehen die beste Sicherheit gewährten gegen Unzucht undLiederlichkeit/ wogegen übrigens außerdem anhaltende Thätigkeitund ein tiefes religiöses Gefühl einen festen Damm bildeten.
DaS Verhältniß der Geschlechter'zu einander betreffend/ sowaren die Männer stctS streng von den Weibern abgesondert/sowohl bei allen Arbeiten/ alö auch in der Kirche und in denProcessioncn. Auch durfte kein Weib das Kollegium betreten/ außeran den wenigen Vormittagsstunden der drei Festtage deS Schutz-heiligen des Dorfes. Hatte ein über zehn Jahre altes Mädchenein Anliegen im Kollegium vorzubringen/ so mußte eS an einemim Corridor deS Haupteingangs der Kirche befindlichen Seileziehen/ welches mit Glocken in Verbindung stand, die in denZimmern der Jesuiten und an der Sakristei hingen, und vondenen die Glocke der Sakristei (in welcher Tag und Nacht zweiDiener abwechselnd anwesend waren) für die Krankenanzeige be-stimmt war. Beim Anziehen einer Glocke erschien sogleich derJesuit oder ein Kirchendiener an der Thüre, um nach dem Be-gehren der Läutenden zu fragen. Das Heirathen war in derMission Gesetz. Die Jesuiten duldeten durchaus keine Unverhei-ratheten: der Jüngling mußte sich im vierzehnten, daS Mädchenim zwölften verheirathen, und die Wittwcr und Wittwen nachsechs Monaten wieder in den Stand der Ehe treten. Für dieVermehrung der Population durch die Ehe wurde nicht alleinhierdurch gesorgt, sondern auch noch durch ein anderes Mittel.Alle Eheleute nämlich mußten, so lange sie noch keine Kinderhatten, kurzes Haar tragen, und eine Frau und ein Mann durf.ten erst von dem Augenblicke an, wo ihre Ehe diesen Erfolghatte, das Haar wachsen lassen. Langes Haar war deßhalb einEhrenzeichen, und es war allen angelegentlichst darum zu thun,dasselbe zu erhalten *).
3 Wir benutzen bei diesen Schilderungen das interessante Schnflchen „DieJesuiten und ihre Mission Chiquitrs in Südamerika. Eine historisch-