Anderseits behaupteten die an Zahl zunehmenden Calvinisten ihreTheilnahme am ReligionSfriedcn, und alle diese Wirren machtendie Reichstage mehr und mehr unbchülflich, ihre Verfügungenmehr und mehr unwirksam. Unter diesen Umständen nahmen auchdie auswärtigen Verhältnisse deS Reichs eine immer trostlosereGestalt an. Wenn der Kaiser Ncichöhülfe wider die Türken be-gehrte, klagten die Protestanten über verweigerte Gleichstellungder beiden Religionen, und auch die katholischen Stände, imPunkte der Knauserei daö Beispiel ihrer Gegner nachahmend,gaben so wenig als möglich. So ist nur zu wundern, daß Deutsch,land nicht eine Beute der Ungläubigen wurde, und wie seinVater mußte auch Maximilian dem Sultan einen jährlichenTribut von 300,000 Goldguldcn zahlen, obgleich er einen nichtganz unglücklichen Krieg wider denselben führte.
Rudolf H. 1576-1612.
Sein Sohn und Nachfolger, Rudolf 1t, in Spanien er.zogen, war dem Protestantismus entschieden abgeneigt. Er be.stätigte zwar dem erbländischen Adel Augübucgischer Confcssiondie von seinem Vater erlangte Religionsfreiheit, in den Städtenjedoch wollte er die evangelischen Geistlichen nicht dulden, denBürgern nicht gestatten, die evangelischen Kirchen der Herren zubesuchen. Als die Stände dagegen Vorstellungen erhoben, ließRudolf zu Wien und in den übrigen Städten die protestantische»Kirchen und Schulen schließen und gebot allgemeine Rückkehrzur katholischen Religion oder Räumung des Landes. Ein an.dereS Edikt verbot den Städtern zusammenzutreten und Bitt.schriften abzufassen. Diese Maßregeln ließ Rudolf in Oestcr-
und Listigkeit betrogen; so wollen die jetzigen ö ffentlich ein schänd-lich und sträflich Wesen führen, und dabei die Leul mitgesehenden Augen blind reden und sagen: man kann sie ausihren Werken nit urtheile», so uns doch Christus ein anders gelehrt hat,und obwohl die guten Werke nit leicht erkannt können werden, soaber einer böslich und sträflich handelt, zeigt er damit an, daß er keinBidermann ist, er zieh sich gleich auf den Glauben, wie er will,dann an die Werk ist der Glaub todt, wie auch die Werkean den Glauben w." — S. diesen merkwürdigen Brief in ErnstMünchS Wilibald Pirkheimers Schweitzerkrieg und Ehrenhandel mitseinen Feinden zu Nürnberg, nebst Biographie und kritischen, Schristen-Verzeichniß. Basel, 1826. D. B.