164
schweigen darüber gegen den Hof beobachtete? Durfte er, derbisher seinen Entschluß, abzutreten, offen zu erkennen gegeben,und dennoch eine Vereinigung der Obersten, die seinem Willenin den Weg trat, genehmigte, über Ungerechtigkeit klagen, wennsein Herr der schon früher verlautbarten Verdächtigung gegendie Treue dcö Dieners Gehör gab?*)
Unter denjenigen, welche den Revers unterschrieben hatten,befand sich aber'ein Verräther gegen Wallenftein, der Feld-marschall Piecolomini; gerade derjenige, in welchen, vor allenandern Generalen, der Herzog, weil sie unter dem gleichen Sternegeboren, ein unbegrenztes Vertrauen setzte, gab dem Kaiser Kundevon dem Vorgänge in Pilsen. Da sah sich Ferdinand durchdie von allen Seiten nahegelegte Nothwendigkeit schleuniger Ge-genmaßregeln bewogen (1634, 24. Januar), das Patent zu unter-zeichnen, welches die Armee der Wichten gegen den gewesenenobersten Feldhaupimann entband und dessen Stelle vorläufig demGrafen GallaS übertrug. Den Obersten, welche sich ungebührlicheingelassen, ward bis auf zwei, nebst dem General selbst, Ver-zeihung zugesichert. Der neucrnanntc Befehlshaber, der zugleichden Auftrag erhalten haben soll, deS Friedländers und seinerbeiden vornehmsten Anhänger, Jlow und Terzka, todt oderlebend sich zu bemächtigen, hielt das Patent noch geheim, umsich inzwischen der Ergebenheit der Generale zu versichern"Währenddessen .unterhielt der Kaiser mit dem Entsetzten dengewohnten Briefwechsel, ertheilte ihm sogar Vollmacht für eineneue Friedenshandlung mit Sachsen und Brandenburg. DerHerzog sollte hierdurch sicher gemacht und wenigstens aus so lange,bis alle Gegenmaßregcln getroffen sein würden, von der Aus-führung seiner Pläne zurückgehalten werden. Indeß erfuhrWallenftein von dem Anschlage und traf schleunige Vorkeh,rungen zu seiner Rettung. Zunächst ordnete er an, daß dieArmee nur von ihm, Jlow oder Terzka erlassenen Befehlenzu gehorchen hätte, und dann berief er die Obersten zum Zwei-tenmal nach Pilsen, um die Erklärung zu unterzeichnen, daß eSbei Ausstellung des ersten Reverses nicht entfernt um schlimmeAbsichten wider den Kaiser und die Religion, noch um irgendeine Machination sich gehandelt habe. Er selbst fügte die Pro-teftation bei, daß ihm nicht brigekommen, irgend etwas wider den
') Barthold, a. a. O.
D. B-