Band 
Zehnter Band.
JPEG-Download
 

176

folgte. In Meklenburg waren inzwischen die Schweden unterBanvr mit den Sachsen an einander gerathen/ hatten letzterezurückgedrängt und ihren Weg durchs Brandenburgische genom-wen/ um nach Sachsen zu gelangen, wo sie durch die furchtbar,stcn Verheerungen für den Präger Frieden Rache nahmen. DerKurfürst, unter welchem der von der schwedischen Partei zurück-getretene Herzog Franz von Lauenburg kommandirte und zudem ein kaiserliches Korps unter Hatzfeld gestoßen war, nahmMagdeburg den Schweden ab und hoffte sie an die Ostsee zudrängen, als ihm Banstr nahe der meklenburgischen Grenze, beider märkischen Stadt Wittstock (1636, 4. Oktober) eine blutigeSchlacht lieferte. Kein Theil ward in dem erbitterten Kampfebesiegt, aber ein falscher Schrecken bewog in der darauf folgen-den Nacht die Verbündeten zum Rückzug, der durch die schwedischeVerfolgung zur Flucht wurde. So groß war die Verwirrungder Zustände, daß den deutschen Protestanten diese Niederlageihres Hauptes als ein Glückfall erschien und der Kurfürst predi-digcn lassen mußte, daß, wenn er sich bemüht, dem bedrängtenVaterlande Frieden zu verschaffen, er sich darum nicht gegendas Beste des evangelischen Wesens versündigt habe. Er bliebindeß standhaft auf der Seite des Kaisers, ebenso der Kurfürstvon Brandenburg, wogegen nun endlich eS zum offenen Kriegezwischen dem Kaiser und Frankreich kam. König Ferdinanderließ im Namen feines Vaters ein Manifest an die Franzosen,worin er ihnen das Verhalten ihrer Regierung gegen das deutscheReich kund gab als Grund, weshalb er jetzt in das Königreicheinrücke; aber der im Oktober von Lothringen aus unternommeneFeldzug des GallaS scheiterte durch die schlechte Jahreszeit undden Widerstand des Herzogs Bernhard.

Während dieses Unternehmen mißglückte, hatte dagegen derKaiser, dem bei herannahendem Alter und zunehmender Kränk-lichkeit die unabweislichen Wirren eines Interregnums schwereSorgen bereiteten, den Trost und die Genugthuung, daß auf demin Folge deS Präger Friedens nach RegenSburg berufenen Kur«fürstentage, welchem er persönlich beiwohnte, sein Sohn Ferdi-nand, König von Ungarn und Böhmen, zum Römischen Königgewählt und gekrönt wurde (1636, 22. Dezember). Die Wahlwar eine einmüthige; indeß, weil der gefangene Kurfürst vonTrier und der inzwischen volljährig gewordene Sohn des geäch-teten PfälzerS nicht zugezogen worden, bestritten Schweden und