Band 
Zehnter Band.
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lassen, damit er die verschiedenen Reformationssysteme prüfe unddas beste aufsuche. Da jedoch derselbe auf den Rath von CalvinundSoeinuS in Deutschland sich verehelichte, trug auch dieser,den König sehr verdrießende AuSgang seiner Sendung dazu bei,ihn bei der katholischen Kirche zu erhalten. Indessen, um dieFolgen der Unduldsamkeit, welche er in andern Ländern wahr.nahm, von Polen abzuhalten, erklärte er alle Christen für gleich,berechtigt zu den Aemtern und Würden, vereinigte mit vielerMühe die einander feindlich gegenüberstehenden Sekten (1570)und erlaubte den Protestanten den Besitz einer Kirche in Krakau.So vermochte die Reformation in Polen zwar nicht die Ober.Hand zu gewinnen, immerhin aber ward sie eine Partei, welcheden inneren Zwiftigkeiten neue Nahrung zufügte.

Lievland.

Die Schwertritter, welche damals vorn deutschen Ordenabhingen, besaßen Lievland mit Kurland und Esthland; derdeutsche Orden hatte ihnen die Herrschaft über diese Ländereingeräumt (1459) zum Lohne für die Hülfe, welche sie dem-selben im Kriege mit den preußischen Verbündeten geleistet hatten;die Schwertritter mußten sich jedoch diese Herrschaft erst gegenden Erzbischof, dann gegen die Stadt Riga erkämpfen, welchletztere dann auch endlich dem Orden unterworfen wurde (1491).Unter Walter v. Plettcnberg, dem hervorragendsten unterden Großmeistern dieses Ritterordens (1495-1535), hatte Licv-land seine glänzendste Zeit. Er vermochte Riga dem Joch ge.fügig zu erhalten und den russischen Krieg mit Ehren zu be.stehen; er erlangte die Würde eines Reichsfürsten (1527). Daßer der Reformation den Eingang nicht wehrte, hatte zur Folge,daß die Nigaer den Erzbischof nicht mehr anerkannten und so.mit der Großmeister eigentlicher Souverän war.

Die Bürgerkriege häuften sich sodann und wurden mit bar-barischer Wildheit geführt. Es waren auch die der Künste undWissenschaften gänzlich entbehrenden Lieven nichts anderes alShalbe Wilden. Rußland, von ihnen fortwährend beunruhigt,beschloß die Eroberung LicvlandS, und JwanIV(1556) schickteeinen Gesandten nach Dorpat, um dem Bischöfe ein seidenesJagdnetz, zwei Windhunde und zwei Teppiche anzubieten unddafür Tribut zu verlangen. Der Prälat versprach eine Markfür jeden Mann seines Bisthums, da eS jedoch beim Versprechen