Band 
Zehnter Band.
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Jüngling in den Kampf getrieben hatten und ihn mit edler Ent.schlossenheit die Sklaverei dulden liessen/ da er im Ruhme selbstnur Bitterkeit/ Undankbarkeit und Täuschung fand. In jenemund in der Gunst sah er/ der größte Schriftsteller seines Jahr.Hunderts/ sich überholt von dem niedrigdenkenden Haufen, dersich zu schmiegen weiß; ward er doch von seinen Zeitgenossen sosehr übersehen, daß fast eine vollständige Ungewißheit obwaltetsowohl über den Ort, wo er starb, als auch wo er geboren wurde. Aberdiese Verkennung ließ ihn selbst nicht im geringsten Zweifel übersein Verdienst, und selbstbewußt schrieb er anS Ende des Romans,der ihm Unsterblichkeit sichern sollte: „Hier legte Sid AmctBen Engeli seine Feder nieder; aber er steckte sie so hoch, daßNiemand fürder wagen wird, sie wieder zu nehmen." Und inder That erreichte Niemand mehr diese Tiefe von Erfindung,mit solcher Durchsichtigkeit gepaart, diesen hohen Flug, dieseunbefangene Vernünftigkeit, die so fein ist, daß sie in der JugendLachen, im gereiften Alter Nachdenken erregt; Niemand hat eSin der Folge so verstanden zu lehren, ohne sich den Anstrich deSMoralisirrnö zu geben. Cervantes' Buch wird ebenso langein Geltung bleiben, als die heroischen Hallucinationen und deregoistische Menschenverstand bestehen wird; ebenso lange wie derliebliche Wahn der Utopisten und die Hindernisse, die eine Weltaufhäuft, in welcher jeder Tag unS eine Illusion raubt?)

Aber sehr unrichtig urtheilt Voltaire, daß Spanten nurEin gutes Buch hervorgebracht habe, und zwar ein solches,welches die Lächerlichkeit aller übrigen recht bekunde. Cervantesselbst ist einer der hervorstechendsten Begründer deS spanischenTheaters; wie dies zu seiner Zeit bestand, mögen wir am bestenvon ihm selbst erfahren. „Vergib mir, Leser", so sagt er, „wenndu mich in diesem Prolog die gewohnte Bescheidenheit zur Seitesetzen siehst. Diese vergangenen Tage befand ich mich in einerkleinen Gesellschaft von Freunden, worin man über Comödieund dergleichen Dinge schwatzte und den Gegenstand so erschöpfte,daß ich nur seinen Grund zu berühren schien. Man sprach auchvon Dem, der zuerst die Comödie auS der Wiege genommen undmit Glanz und Herrlichkeit angethan hatte; da sagte ich mit den

') Eine unerläßliche Ergänzung zum Don Quirote bildet der umfangreicheCommentar von Don Diego Clemencin (1765—1838), eine dertaillirte Analyse des Geistes und der Sitten Spaniens von 1580 — 1630.